Andreaskreuz 170

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Der Schulträger

Profil und Ziele

Zum Selbstverständnis der Schule

 

I.  Schulträger

haupttrakt Das Gymnasium Andreanum in Hildesheim ist eine Schule in der Trägerschaft der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
Durch ihren Auftrag, das biblische Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen, sieht sich die Kirche dazu aufgerufen, für den Menschen, für seine Würde und seine Rechte, für die Entfaltung seiner Fähigkeiten und Kräfte in einem sinnerfüllten und verantworteten Leben einzutreten. Das Verhältnis von Verkündigung und Bildung, Glauben und Lernen muss dabei immer wieder von Neuem durchdacht werden.

Als evangelische Schule richtet sich das Gymnasium Andreanum mit seinem Angebot zunächst an evangelische Kinder und Eltern. Dass auch Angehörige anderer anerkannter christlicher Konfessionen diese Schule besuchen, ist eine Selbstverständlichkeit. Grundsätzlich steht das Gymnasium Andreanum auch Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften offen, wenn sie sich auf das Konzept einer christlichen Schule einlassen können. 

II.  Abschlüsse

kunstrakt4 Das Gymnasium Andreanum ist eine staatlich anerkannte Schule in freier Trägerschaft. Das bedeutet, dass hier dieselben Abschlüsse wie an öffentlichen Schulen möglich sind. Als Abschlüsse können erreicht werden: erweiterter Sek. 1 - Abschluss, Fachhochschulreife, Abitur und die damit verbundene allgemeine Hochschulreife.

III.  Akzente

andachtsraum1 Das Gymnasium Andreanum setzt in bestimmten Bereichen besondere Schwerpunkte: Evangelisches Profil, Sprachkompetenz und Sprachbewusstsein, musische Bildung. Diese Schwerpunkte sind als Akzente in einem umfassenden Konzept von Bildung zu verstehen, das die einseitige Ausbildung bestimmter Fähigkeiten oder eine vorschnelle Orientierung an wirtschaftlichen Anforderungen ausschließt.

III.1 Evangelisches Profil 

  Die Atmosphäre einer evangelischen Schule soll von der Einsicht bestimmt sein, dass der Wert eines Menschen weder von seinen Leistungen noch vom Grad seiner Annäherung an vorgegebene Idealvorstellungen abhängt, dass er vielmehr mit dem Menschsein selbst gegeben ist.
Von allen Lehrerinnen und Lehrern sowie von den Eltern, die ihre Kinder zum Gymnasium Andreanum schicken, wird erwartet, dass sie diese Einsicht als Grundlage pädagogischen Handelns akzeptieren.

Ein so verstandenes pädagogisches Handeln geht von den einzelnen Schülerinnen und Schülern aus, von dem, was sie von ihrer Person, ihren Fähigkeiten und ihren Kenntnissen her mitbringen. In einer evangelischen Schule sollen Leistungen anerkannt und gefördert werden, man darf sich an ihnen freuen; sie sind aber niemals Kriterium für den Wert eines Menschen.

Ein so verstandenes pädagogisches Handeln wird sich darüber hinaus in gleichem Maße gegen jedwede kollektive Vereinnahmung richten wie gegen soziale Verantwortungslosigkeit. Die Anerkennung des anderen in seiner Eigenart, gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfeleistung sollen gefördert werden. Eine Schülerin oder ein Schüler muss diese Schule auch ohne das Gefühl menschlichen Scheiterns durchlaufen können, wenn sie/er dem christlichen Glauben distanziert oder ablehnend gegenübersteht. Dagegen sollte sich Achtung vor christlichem Engagement ebenso wie Toleranz gegenüber anderen religiösen Überzeugungen von selbst verstehen.

k13 Das evangelische Selbstverständnis konkretisiert sich besonders in Religionsunterricht, diakonischem Handeln und geistlichem Leben:

Die persönliche Auseinandersetzung mit Glaubens-, Sinn, und Wertfragen im Horizont der christlichen Überlieferung ist ein zentrales Anliegen einer evangelischen Schule. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Religionsunterricht zu. Er wird als evangelischer oder katholischer Religionsunterricht erteilt. Formen ökumenischer Kooperation sind selbstverständlich. Ziel des Religionsunterrichtes ist es, die Bildung einer reflektierten religiösen Identität zu unterstützen und von da aus zu einem fundierten ökumenischen und interreligiösen Dialog zu befähigen.

Das diakonische Prinzip soll die soziale Atmosphäre der Schule prägen: In allen Klassen und Lerngruppen bemühen sich die Lehrerinnen und Lehrer darum, dass Schülerinnen und Schüler bei auftretenden Schwierigkeiten beraten, begleitet und aufgefangen werden. In der Schule wird Offenheit erwartet, d. h. die Bereitschaft, Konflikte anzuerkennen und mit ihnen nach Maßgabe der Toleranz umzugehen. Die Schule setzt es sich zur Aufgabe Möglichkeiten von Beratung und Hilfe zu fördern und gewaltfreie Wege der Konfliktbewältigung zu entwickeln.

Zur Diakonie außerhalb der Schule zählt der diakonische Einsatz, der an Einrichtungen verschiedener sozialer Träger geleistet wird und in den letzten vier Wochen der zehnten Klasse (bzw. elften Klasse beim neunjährigen Bildungsgang G9) an die Stelle des Unterrichts tritt: Die Schülerinnen und Schüler betreuen Hilfsbedürftige und Behinderte und lernen hierbei insbesondere Berührungsängste zu überwinden sowie Vorurteile abzubauen. Sie erfahren, dass der Wert des Handelns nicht nur an messbarer Entlohnung und auch nicht immer an geäußerter Anerkennung ablesbar ist. 

Das Gymnasium Andreanum bietet in evangelischer Gestaltungsoffenheit Freiräume für geistliches Leben, für die spirituelle Dimension des christlichen Glaubens. Die verantwortliche Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern in die Gestaltung von Schulgottesdiensten und Morgenandachten schafft Spielräume eigene Ideen und Ausdrucksformen zu erproben und zur Diskussion zu stellen. 
Das Gymnasium Andreanum steht im Austausch mit anderen evangelischen Schulen. Auf europäischer Ebene besonders gepflegt wird die Schulpartnerschaft mit dem Evangelischen Lajos Kossuth Gymnasium in Nyíregyháza/Ungarn. Im Rahmen der Zusammenarbeit gibt es regelmäßige Schüleraustauschfahrten und gemeinsame Projekte. Die ökumenische Partnerschaft mit der Kodaikanal International School in Tamil Nadu/Indien bietet in jedem Jahr einigen Schülern beider Schulen die Gelegenheit zu einem individuellen Austausch über mehrer Monate.

III.2 Sprachkompetenz und Sprachbewusstsein:

Die Verbindung von alten und modernen Fremdsprachen


eingang1 Charakteristisch für das Konzept sprachlicher Bildung am Gymnasium Andreanum ist die Mehrsprachigkeit, die sich in der Regel auf drei Fremdsprachen erstrecken sollte, und die Verbindung von alten und modernen Sprachen. Es ist für das Gymnasium Andreanum charakteristisch, dass alle Schülerinnen und Schüler Englisch und Latein lernen.

Im Rahmen des gymnasialen Bildungsganges wird das in der Grundschule begonnene Fach Englisch in allen 5. Klassen fortgeführt.

Latein kommt als zweite Fremdsprache in Klasse 6 hinzu, kann aber auch im Lateinplus-Zweig schon in der 5. Klasse neben Englisch begonnen werden, um einem altergemäßen Einleben in die lateinische Sprache und die antike Kultur mehr Raum zu geben..

In  Klasse 8 kommt als dritte Wahlpflicht-Fremdsprache Griechisch oder Französisch dazu (daneben gibt es auch die Möglichkeit, das naturwissenschaftliche Wahlpflichtfach C oder das
gesellschaftswissenschaftliche Wahlpflichtfach B zu wählen). In der Oberstufe gibt es dann die Möglichkeit mit Italienisch zu beginnen. Spanisch kann als Arbeitsgemeinschaft (ab Jahrgang 9) gewählt werden.
Das Erlernen der modernen Fremdsprachen im Unterricht wird unterstützt durch den regelmäßigen Schüleraustausch mit Partnerschulen in Broadstairs (England), Angoulême (Frankreich), Pavia (Italien), Pennsburg (USA) und Kodaikanal (Indien).

img_0230 Liegt das wesentliche Ziel der modernen Fremdsprachen im Aufbau kommunikativer Kompetenz, betont der Lateinunterricht die Erziehung zu Sprachbewusstsein und kultureller Bildung. Er trainiert das analytische und synthetische Denken, indem er darin übt, komplexe sprachliche Strukturen zu überblicken, zu analysieren und in angemessenes Deutsch zu übertragen. Dabei werden die überfachlichen Qualifikationen von Stetigkeit, Genauigkeit, Systematik und Geduld in besonderer Weise gefördert. Durch die lateinische Sprache sind in fast allen wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen wesentliche Inhalte vermittelt worden. Die rechtlichen und politischen Strukturen unserer abendländischen Welt, aber auch unsere literarischen, philosophischen, künstlerischen und naturwissenschaftlichen Denk- und Wertvorstellungen sind durch die Römer und das Medium der lateinischen Sprache geprägt worden. Lateinkenntnisse erleichtern das Erlernen moderner Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch, Italienisch und auch Englisch.

Im Griechischunterricht steht neben der sprachlichen Arbeit an Originaltexten die Erarbeitung wesentlicher Aspekte der griechischen Kultur im Vordergrund. In der Auseinandersetzung mit griechischer Literatur und Kunst, Mythologie und Philosophie sollen: Einsichten in die Quellen unserer europäischen Lebenswirklichkeit vermittelt werden, grundlegende Deutungen der Bedingungen menschlicher Existenz erschlossen werden, die im Griechischen besonders ausgeprägten Möglichkeiten einer ästhetischen Bildung genutzt werden.

Das Gymnasium Andreanum gibt die Möglichkeiten, in den alten Sprachen die für ein Studium erforderlichen Abschlüsse zu erwerben (Kleines Latinum, Latinum, Großes Latinum, Graecum).
In Französisch unterstützt das Andreanum den Erwerb der Zertifikate DELF und DALF, die zum Studium auf französischen Universitäten berechtigen.

III.3 Musische Bildung

andachtraum Unverzichtbarer Bestandteil einer Erziehung, welche dem ganzen Menschen gerecht werden soll, ist die musische Bildung: die Schulung des ästhetischen Urteilsvermögens, die Förderung von Ausdruck und Ausdruckswahrnehmung, die Sensibilisierung der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung des anderen in verbaler und nicht verbaler Kommunikation, die Hilfe zur Entfaltung der eigenen kreativen Möglichkeiten. 

Der Verwirklichung dieser Erziehungsziele will unsere Schule gerecht werden, indem sie über deren Berücksichtigung im verbindlichen Fächerkanon hinaus Freiräume schafft für Chöre, Orchester und Instrumentalgruppen, Theater und Musiktheater sowie entsprechende Arbeitsgemeinschaften im Bereich der bildenden Künste. In diesem Rahmen können die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten spielerisch und ohne Rücksicht auf Zensuren erproben. Hier finden sie zugleich, indem sie sich frei mit allem Ernst den Anforderungen einer von ihnen selbst gewählten Sache stellen, die Gelegenheit zu der Erfahrung, dass Arbeit und Lust eins sein können.

IV. Umfassende Bildung statt Einseitigkeit

img_0219 Unbeschadet der besonderen fachlichen Akzente seines Schulprofils geht es dem Gymnasium Andreanum um eine umfassende Bildung mit vielen Dimensionen. Hierzu gehört natürlich auch eine qualitätvolle Bildung in Mathematik und den Naturwissenschaften. Das Gymnasium Andreanum bietet über den naturwissenschaftlichen Fachunterricht hinaus vielfältige Möglichkeiten der Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerben . Besonders erfolgreich waren Schülerinnen und Schüler z.B. in den Wettbewerben Biologieolympiade, Jugend forscht und Schüler experimentieren. Exkursionen und Praktika in Kooperation mit Hochschulen und Forschungsinstituten vermitteln Einblicke in differenzierte Anwendungsbereiche der Naturwissenschaften und in neue Berufsbilder.

Die Ausbildung von Arbeitstechniken und Arbeitshaltungen ist neben den fachlichen Aspekten Aufgabe jedes Unterrichts. In den 5. Klassen hat darüber hinaus ein systematisches Methodenlernen begonnen, das über die Jahrgänge hinweg zu einem Methodencurriculum ausgebaut werden soll. Ziel ist es die Schülerinnen und Schüler zu befähigen effektiver eigenverantwortlich zu lernen und zu arbeiten. In diesem Sinne sind auch die Neuen Medien am Gymnasium Andreanum nicht als Selbstzweck, sondern von ihrer Funktionalität als selbstständig handhabbares Arbeitsmittel her zu verstehen.. Ziel ist ihre Einbeziehung in den Unterricht aller Fächer unter realistischer Abschätzung ihrer didaktischen Möglichkeiten und Grenzen. Im Hinblick auf die Vermittlung fachübergreifender Arbeitstechniken gilt auch der Einführung und Vertiefung der Arbeit mit dem Computer ständiges Augenmerk. Im Rahmen des Infoschul-Projektes arbeiten Lehrende und Lernende des Andreanums im Netzwerk mit anderen Schulen bei der Erprobung solcher Anwendungsmöglichkeiten zusammen.

Dem starken Übergewicht kognitiver Bildung in unserem Schulsystem arbeitet neben den musischen Fächern vor allem der Sportunterricht entgegen. Das Gymnasium Andreanum unterstreicht die Bedeutung der Bewegungserziehung durch ein Spektrum von Arbeitsgemeinschaften, das viele unterschiedliche Anregungen zum Sporttreiben bietet, wie z.B. Fußball, Basketball, Zirkus, Rudern, Schwimmen oder Golf. Durch die Einrichtung der Aktiven Pause ist es für die Schülerinnen und Schüler über den Sportunterricht hinaus möglich, täglich in der großen Pause Sport- und Spielgeräte auszuleihen, die Bewegungsanreize für eine aktive Erholung bieten.

Lernen durch Anschauung vor Ort

Studienfahrten 

andenken2 Studienfahrten im letzten Jahrgang der Oberstufe gehören zum festen Programm unserer Schule.  Die Ziele sind nicht, wie sonst üblich, an Kurse oder Schwerpunkte gebunden, sondern werden von den Schülern des Jahrgangs aus dem schulischen Angebot nach Interesse und Neigung gewählt. Im Laufe der Jahre hat sich ein fester Kanon an Zielen gebildet: neben den klassischen Stätten wie Rom und Pompeji sowie Griechenland gehören auch Irland und - seit einiger Zeit - die Provence zum festen Programm. Aber auch andere Ziele haben zwischenzeitlich immer wieder zu einer Abwechslung des Angebots beigetragen, z.B. Island oder Indien.

Da diese Studienfahrten sich von ihrem Anspruch und Selbstverständnis her von rein touristischen Unternehmen abheben, werden sie im Rahmen des Unterrichts im Seminarfach der 12. Jahrgangsstufe (bzw. 13. Jahrgangsstufe im G9) über Monate hin intensiv vorbereitet, denn sie müssen in einem direkten Bezug zu den Unterrichtsinhalten und Lernzielen stehen. Sie sollen dazu beitragen Ergebnisse und Erfahrungen der Unterrichtsarbeit durch Begegnungen mit Originalwerken oder dem Umfeld der Unterrichtsgegenstände einzuordnen und zu vertiefen. Konkret bedeutet das: unter veränderten Bedingungen und in einem veränderten Rahmen durch eigene Anschauung die Stätten, Kulturen und Sprachen an Ort und Stelle kennen zu lernen, mit denen man sich über lange Zeiträume im auf kognitives Arbeiten ausgerichteten Unterricht beschäftigt hat. Die originale Begegnung mit den Gegenständen führt zu größerer Konkretion. Darüber hinaus sollen Einblicke in Zusammenhänge der kulturellen, historischen, politischen und gesellschaftlichen Überlieferung gewonnen werden. Dass unter gruppendynamischen und sozialen Aspekten nicht unwesentliche Erfahrungen des Zusammenlebens im Rahmen einer Gruppenfahrt gesammelt werden, versteht sich von selbst.

Berichte über die diesjährigen Studienfahrten finden Sie unter "Berichte/Presse" ,die Bilder in der Galerie der Fahrten

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Musikzweig am Andreanum

sakia08 „Musikzweig“ - das ist eine in Niedersachsen keineswegs ungewöhnliche Einrichtung. An etwa 12 Gymnasien unseres Bundeslandes wird den Schülern ein (so die Terminologie des Kultusministeriums) „besonderes Stundenangebot im Fach Musik“ gemacht. Die Besonderheiten unserer Schule erzwingen aber eine individuelle, von diesem gegebenen Modell abweichende Lösung - und eröffnen damit besondere Chancen.

Seit dem Schuljahr 2003/2004 wird eine der fünften Klassen als „Musikzweig“-Klasse geführt. Während in der fünften bis achten Klasse im Regelfall zwei Wochenstunden Musikunterricht vorgesehen sind, werden in dieser Gruppe mit musikalischem Schwerpunkt vier (bzw. in der achten Klasse drei) Wochenstunden Musikunterricht erteilt. Diese Mehrstunden werden durch geringfügige Kürzungen in anderen Fächern ausgeglichen, so dass die Musikzweig-Schüler stundenmäßig nur in sehr geringem Umfang mehr belastet werden. Insgesamt ist auf eine gleichmäßige Verteilung dieser Kürzungen im gesamten Fächerkanon geachtet worden. Der Musikzweig endet mit dem achten Schuljahr.

kakue-1 Die gewonnenen zusätzlichen Stunden sollen nicht durch theoretische Arbeit, sondern durch Musikmachen genutzt werden. Das bisherige Repertoire des Musikunterrichts an Themen und Methoden wird beibehalten, aber durch musikpraktische Arbeit ergänzt. Die Arbeit im Musikzweig zielt natürlich auf musikbezogene Ziele, aber nicht nur, hat vielmehr die Gesamtpersönlichkeit im Blick.

Musikmachen vereinigt wie kaum eine andere Tätigkeit Herz, Hirn und Hand. Der Geiger, der ein Konzert einstudiert, der Gitarrist, der einen Song entwickelt - sie beide trainieren manuelle Bewegungsabläufe, bringen sich gefühlsmäßig ein und kontrollieren das, was sie tun, mit ihrem Verstand. Der Musikzweig wird die Ganzheitlichkeit dieses Tuns ausnutzen. Dabei wird er von den musikalischen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler (aus ihrer Umwelt und ihrem bisherigen schulischen und privaten Musikunterricht) ausgehen, ihre musikalischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erweitern und vertiefen, ihren musikalischen Erfahrungshorizont weiten, sie zu vertiefter Auseinandersetzung mit Musik führen und ihre Freude am eigenen Gestalten anregen und fortführen.

Damit sind die Grenzen einer bloß musikbezogenen Zielsetzung bereits überschritten. Tatsächlich sollen die Chancen, die der Umgang mit Musik im Prozess der Persönlichkeits-bildung und auch zur Erlangung der für das spätere Berufsleben ausschlaggebenden Schlüsselqualifikationen - selbstständige Aneignung neuer Kenntnisse und Fertigkeiten, Eigenverantwortlichkeit und Urteilsfähigkeit - bietet, genutzt werden.

Musikmachen ist Kommunikation. Der musikpraktische Schwerpunkt ermöglicht also ein kontinuierliches Einüben sozialer Verhaltensweisen: das Aufeinander-Hören, das Einordnen in eine, aber auch das Führen einer Gemeinschaft, das Einbringen individueller Leistungen in ein Team.
Der Musikunterricht im Musikzweig orientiert sich selbstverständlich an den Inhalten, Methoden und Lernzielen des normalen Musikunterrichts. Um die Chancen, die der erweiterte Musikunterricht eines Musikzweiges bietet, aufzuzeigen, sollen im folgenden einige jahrgangstypische Projekte kurz beschrieben werden.

orchester39newKlasse 5 - Aufführung einer Klassensinfonie
In der fünften Klasse werden zunächst die vorhandenen Instrumente und die spieltechnischen Möglichkeiten gesichtet. (Ergänzend dazu bereitet die stimmbildnerische Arbeit das Singen in einem Klassenchor vor.) Arrangements für Teilgruppen und für die ganze Klasse führen in die gemeinsame musikalische Arbeit ein. Gemeinsam mit den Schülern erstellt der Lehrer dann die Noten einer Klassensinfonie für die spezielle Besetzung dieser Klasse. („Sinfonie“ ist hier nicht im Sinn Beethovens oder Mozarts zu verstehen, der gewählte Stil ist eher zweitrangig.) Im abschließenden Rondo musizieren die Schüler in den Refrains als Gruppe, in den Zwischenteilen auch quasi solistisch, zeigen damit auch ihre individuelle Leistung. Das Ergebnis wird in einer Musizierstunde vorgeführt.

Klasse 6 - Aufführung eines Klassenmusicals
Das Sujet, z.B. ein populäres Kinderbuch wie das „Sams“, und das Libretto werden in Zusammenarbeit mit dem Deutschunterricht ausgewählt bzw. geschrieben, Kostüme und Bühnenbilder in Zusammenarbeit mit dem Fach Kunst erstellt. Wieder wird die Musik für die instrumentalen und spieltechnischen Voraussetzungen gerade dieser Gruppe entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler werden sowohl als Musiker wie als Darsteller aktiv.

Klasse 7 - musikalische Ausgestaltung eines Schulgottesdienstes oder einer Andacht
In Absprache mit dem Religionsunterricht werden Lieder und andere Musikstücke ausgesucht und zum Anlass passende Begleit-Arrangements erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler werden als Musiker und als Ansingegruppe aktiv.

Klasse 8 - Erstellen eines Multimedia-Projekts
Im Musikunterricht haben die neuen Technologien längst Einzug gehalten: Sequenzing-Programme unterstützen das Klassenmusizieren, die Orchester spielen aus mit Notensatz-programmen erstellten Noten. Die mit dem Computer gegebenen technischen Möglichkeiten und die entsprechenden Interessen der Schülerinnen und Schüler werden nun im Sinn der polyästhetischen Erziehung der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zusammengeführt: z.B. in einer Show, in der Bewegung, Projektionen, Live- und vorproduzierte Musik sich zur Darstellung eines Umsetzung eines Gedichts von Ernst Jandl vereinen.

FAQs zum Musikzweig

orchester47newZehn Fragen zum Musikzweig - mitsamt Antworten

1. Warum sollen sich meine Kinder schon so früh spezialisieren, wenn sie doch vielleicht gar nicht Musiker werden wollen?
An eine frühzeitige Spezialisierung im Sinn einer rein musikalischen Ausbildung womöglich mit dem Ziel eines Musikstudiums ist in unserem Konzept nicht gedacht.

2. Gibt es Defizite durch die Verlagerung von Unterrichtsstunden anderer Fächer hin zur Musik?
Erfahrungen in bestehenden Musikzweigen zeigen, dass für Musikzweig-Schüler Nachteile nicht bestehen und also auch an unserer Schule nicht zu erwarten sind. Im Gegenteil zeigen sich Musikzweig-Klassen insgesamt oft leistungsstärker als die Vergleichsgruppen - was unter anderem auf die durch die Musikpraxis trainierte höhere Konzentrationsfähigkeit und Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zurückgeführt wird.

3. Was ist das Hauptanliegen des Musikzweiges?
Die musiktheoretische Schulung steht nicht im Vordergrund des Unterrichts, mindestens gleichgewichtig wird Praxis betrieben. Ausgehend von den Erfahrungen und dem Vermögen der Schüler werden ihre Kenntnisse, ihre Fähig- und Fertigkeiten überwiegend durch Musikmachen erweitert. Dabei stehen die über den Bereich der Musik hinausweisenden Lernziele im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und des sozialen Lernens durchaus mit im Zentrum unserer Bemühungen.

floeten064. Gibt es eine Aufnahmeprüfung für die Musikzweig-Klasse?
Eine Aufnahmeprüfung gibt es nicht. Von den Schülern des Musikzweigs wird aber erwartet, dass sie Instrumentalunterricht bereits erhalten oder sich bereit erklären, solchen zu nehmen. Sollten Zweifel daran bestehen, ob der Besuch des Musikzweigs sinnvoll ist, bieten wir Beratungsgespräche an.

5. Wird im Musikzweig auch Instrumentalunterricht erteilt?
Eine Schule kann instrumentalen Einzelunterricht nicht anbieten, wohl aber unterstützen, indem schuleigene Instrumente für den Instrumentalunterricht zur Verfügung gestellt werden. Über die Kontakte zur Musikschule und zu Privat-musiklehrern kann die Schule beratend, z.B. beim Finden des geeigneten Instruments, tätig werden. Schüler des Musikzweiges können ihr Instrument weiter spielen oder eines neu erlernen.

6. Was passiert, wenn ein Schüler die Lust an der Musik verliert oder sich für das gewählte Instrument als nicht geeignet erweist?
Ein Wechsel des Instruments ist in dieser Altersstufe immer einmal wieder nötig und auch möglich; die Musiklehrer werden dabei beraten und helfen. Als absolute Notbremse könnte man einen Wechsel in eine der vier parallelen Klassen - eine Entscheidung, die, wie die Erfahrung in bestehenden Musikzweigen zeigt, so gut wie nie ansteht.

7. Was für eine Rolle spielen die Musik-Zensuren in einer Musikzweig-Klasse?
Erheblich mehr als im üblichen Musikunterricht werden die Fähigkeiten im Zusammenspiel zur Zensurenfindung herangezogen. – Für Musik als vierstündiges Fach gelten dieselben Ausgleichsregelungen wie für die traditionellen „Hauptfächer“, d.h. mit einer guten Musiknote kann ein „mangelhaft“ in einem vier- oder fünfstündig erteilten Fach ausgeglichen werden.

8. Warum endet der Musikzweig am Andreanum nach der achten Klasse?
Die Belastungen der Schüler und Schülerinnen in den beiden letzten Klassen der Sekundarstufe I wachsen sehr stark, vor allem durch die dritte Fremdsprache, so dass es Sinn macht, hierfür Freiräume zu lassen.

docv9. Müssen Musikzweig-Schüler in der Oberstufe Musik als Fach wählen?
Dieser Zusammenhang besteht nicht. Die Schüler des Musikzweiges können ihre Prüfungsfächer aus dem Angebot, das die Schule insgesamt macht, frei und uneingeschränkt wählen. Umgekehrt stehen die Leistungs- und Grundkurse der Sekundarstufe II auch denjenigen Schülern offen, die nicht die Musikklasse durchlaufen haben – und zwar problemlos, da die Vermittlung oberstufenspezifischer Kenntnisse und Fertigkeiten nicht Absicht des Musikzweiges ist.

10. Können nicht die am Andreanum bestehenden Musik-Arbeitsgemeinschaften den Musikzweig ersetzen?
In den Arbeitsgemeinschaften werden instrumentale Fertigkeiten im Ensemble angewandt, während die intensive Schulung des Zusammenspiels – vokal und instrumental – soviel Zeit erfordert, wie sie nur im Musikzweig zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es hier die Möglichkeiten eines Zusammenwirkens von Theorie und Praxis, die in Arbeitsgemeinschaften nicht möglich und nicht angestrebt ist.