Andreaskreuz 170

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Der Schulträger

Schulentwicklung

Vielfalt fördern

gleiseb

Stichwort „Inklusion“

Seit Beginn des  Schuljahrs 2013/14 gab es am Andreanum im 5. Jahrgang zum ersten Mal eine „Inklusionsklasse“, in der Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei „zieldifferent“ nach unterschiedlichen Curricula unterrichtet, die einen nach den geltenden Gymnasialcurricula, die anderen nach ihrem jeweiligen Fördercurriculum.  Damit dies gelingen kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen:  Fast durchgehend gibt es in dieser Klasse eine Doppelbesetzung von Fachlehrkraft und Förderpädagogin. Dazu kommen pädagogische Mitarbeiterinnen, die sich gezielt um Kinder mit dem Förderbedarf im Bereich geistiger Entwicklung kümmern. An den Klassenraum grenzt ein kleinerer „Differenzierungsraum“, denn es muss möglich sein, die Gruppe unkompliziert zu teilen. Gezielte Fortbildungen für die Lehrkräfte begleiten den Einstieg in die Arbeit in der Inklusionsklasse.  Dieses Modell hat sich im ersten Jahr als sehr erfolgreich erwiesen. Mit Beginn des neuen Schuljahres im September 2014  startete die zweite 5. Klasse unter diesen Bedingungen als Inklusionsklasse. Eine wissenschaftliche Evaluation der Arbeit in den Inklusionsklassen soll Anfang des Schuljahres 2015/16 beginnen.

Am Andreanum gibt es schon seit Langem immer wieder Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in den Bereichen Hören und Sehen, die gemeinsam mit den anderen Mitgliedern ihrer Lerngruppen (zielgleich) inklusiv unterrichtet wurden. Hierfür waren besondere technische Rahmenbedingungen erforderlich, Förderstunden und Begleitung durch Mobile Dienste der Förderzentren traten hinzu. Erstmals besuchte im Schuljahr 2014/15 ein gehörloser Schüler den 10. Jahrgang des Andreanums, seit Beginn des Schuljahres 2015/16 ein zweiter eine 7. Klasse. Die ständige Unterstützung durch Gebärdendolmetscherinnen ermöglicht eine kontinuierliche Beteiligung am gesamten Unterricht. Damit begibt sich das Andreanum auf einen neuen Weg, der bisher erst von wenigen Schulen beschritten worden ist.      

Stichwort „Lese-Rechtschreib-Förderung“

Immer mehr Schülerinnen und Schüler der neu aufgenommenen 5. Klassen haben große Probleme im Lesen und in der elementaren Rechtschreibung. Im Rahmen des normalen Deutschunterrichtes können diese massiven Defizite kaum noch aufgefangen werden, individuelle Förderung ist notwendig. Im vergangenen Schuljahr haben mehrere Lehrerinnen des Andreanums nach einer speziellen Fortbildung mit einer neuen Form des Förderunterrichtes gezielt im Hinblick auf Lese-Rechtschreib-Förderung begonnen. Wegen der großen Zahl von Kindern, die hier dringend Förderung brauchen, ist die Zahl der Förderkurse im laufenden Schuljahr weiter erhöht worden. Weitere Lehrkräfte werden die notwendige Fortbildung absolvieren, denn der Bedarf ist groß.   

Stichwort „Fachprofil“

Nach längeren und sehr intensiven Diskussionen hat das Andreanum eine Erweiterung des Wahlpflichtbereiches in der Sekundarstufe I beschlossen. Zu den dritten Fremdsprachen und dem Wahlpflichtfach „Mathematik und Naturwissenschaften“ wird vom Schuljahr 2015/16 an ein weiteres Wahlpflichtfach „Gesellschaftswissenschaften“ treten. Hier sollen in den einzelnen Halbjahren unterschiedliche Schwerpunkte von den Fächern Religion, Philosophie, Politik-Wirtschaft und Geschichte gesetzt werden. Das Andreanum legt großen Wert auf den Erhalt des Wahlpflichtbereiches in der Mittelstufe, um bereits hier Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur individuellen Schwerpunktsetzung zu geben. Individuelle Interessen und Begabungen sollen gefördert und entwickelt werden. Das Spektrum dieser Angebote wird mit dem neuen Wahlpflichtfach erweitert, das evangelische Profil erhält damit auch im Wahlpflichtbereich seinen Ort. Übergreifende Kooperationen zwischen den einzelnen Fächern (z.B. bei der Arbeit an Formen der Erinnerungskultur oder Fragen der Wirtschaftsethik) werden in dem neu entwickelten Curriculum des Wahlpflichtfaches umgesetzt.

Stichwort „ individuelle Begabungsförderung“

Nicht nur im Wahlpflichtbereich fördert das Andreanum gezielt individuelle Begabungen. Hinzu kommt ein breites Spektrum von Arbeitsgemeinschaften, Kursangeboten und Wettbewerbsteilnahmen. Im naturwissenschaftlichen Bereich hat sich hier ein eigenes Profil des Andreanums entwickelt, das bereits mit der Frühförderung in AGs für die 5. Klasse beginnt, zu denen auch schon interessierte Viertklässler mit eingeladen werden. Über den Wahlpflichtbereich setzt sich diese Profilbildung fort bis in die Kursphase der Oberstufe. Die großen regionalen und überregionalen Erfolge bei den Wettbewerben „Schüler experimentieren“ und „Jugend forscht“ sind das Ergebnis dieser konsequenten Förderung in Breite und Spitze.   

Aber nicht nur im naturwissenschaftlichen Bereich  gab es Erfolge von Schülern des Andreanums auf Landesebene: Auch bei „Jugend musiziert“, beim „Europäischen Wettbewerb“, beim Fremdsprachen- und beim Altsprachenwettbewerb waren Andreaner in Niedersachsen ganz vorne zu finden. Bemerkenswert ist, dass sich das Spektrum dieser Begabungsförderung immer mehr erweitert: Zum zweiten Mal war das Andreanum bei „Jugend debattiert“ dabei und stellte gleich einen Landessieger. Auch in Schülerfirmen haben Schülerinnen und Schüler des Andreanums seit Jahren die Möglichkeit sich gut begleitet unternehmerisch auszuprobieren. Zum ersten Mal nahm in diesem Jahr eine Schülerfirma des Andreanums am bundesweiten Wettbewerb teil und wurde mit ihrem Geschäftskonzept gleich Landes- und Bundessieger. Natürlich sind dies zuallererst die Erfolge begabter Schülerinnen und Schüler. Sie werden jedoch erst möglich durch die gezielte Unterstützung durch die Schule, durch Motivation zur Teilnahme an besonderen Aktivitäten und die Begleitung durch engagierte, gut fortgebildete Lehrkräfte. Schulleitung und Kollegium wird hier, gerade wenn die Erfolge sich von Wettbewerbsebene zu Wettbewerbsebene steigern,  viel Toleranz und Unterstützungsbereitschaft abverlangt.   

 

Schulentwicklung und Qualitätssicherung

Ganztagskonzept, Wahlpflichtfach Mathematik-Naturwissenschaften, Schulordnung: durch so unterschiedliche Themen war die Schulentwicklung am Andreanum im vergangenen Jahr unter anderem gekennzeichnet. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Realisierung. Das Ganztagskonzept ist nach langen, intensiven Diskussionen in Arbeitsgruppen und Gremien mit großer Einmütigkeit verabschiedet worden. Es ist Grundlage des Antrags von Finanzmitteln des Bundes für den Bau einer Mensa, über deren Bewilligung noch nicht entschieden ist. Wie immer dieses Verfahren ausgeht, das Konzept soll vom Schuljahr 2006/2007 umgesetzt werden. Das Wahlpflichtfach „MatNat“ hat jetzt den ersten Durchlauf hinter sich, Erfahrungen werden ausgewertet. Das Wahlverhalten rechtfertigt die Notwendigkeit der Einführung neben der dritten Fremdsprache, Französisch ist dadurch wenig tangiert, auch Griechisch findet weiter in lebensfähigen Gruppen statt. Im Bereich der Ordnungen für das Andreanum wurde nach der neuen Schulverfassung zunächst die „Ordnung über die Erziehungsmittel und Ordnungsmaßnahmen“ von einer Arbeitsgruppe der Ständigen Konferenz in Angriff genommen und im Konsens mit Lehrer- , Eltern- und Schülervertretern vom Landeskirchenamt beschlossen. An einer verbindlichen Übereinkunft über Regeln des Zusammenlebens an unserer Schule wird gegenwärtig gearbeitet. Im Laufe dieses Schuljahres wird sie sicher von der Ständigen Konferenz verabschiedet werden können.

In den drei hervorgehobenen Fällen geht es um Teilkonzepte der pädagogischen Arbeit am Andreanum, die ihren Platz einmal in einem größeren „Schulprogramm“ finden sollten. Das Gymnasium Andreanum besitzt ja bereits seit ca. 10 Jahren ein schriftlich fixiertes „Selbstverständnis“, das man in heutiger Terminologie wohl als eine Verbindung aus „Leitbild“ und „Schulprofil“ bezeichnen würde. In den vergangenen Jahren ist dieses Selbstverständnis vielfältig konkretisiert, teilweise auch ergänzt und modifiziert worden. Die Aktualisierungen des Textes der umfänglichen Darstellung „Die Schule“ auf der Homepage des Andreanum sind ein Zeichen dafür. Es wird künftig darum gehen, in unterschiedlichen Bereichen der pädagogischen Arbeit bereits erprobte und praktizierte Konzepte schriftlich zu fixieren und ihre Entwicklungsperspektiven zu formulieren; dazu gehören z.B. das Förder- und Beratungskonzept. Auf diesem Wege entsteht allmählich ein aktuelles Schulprogramm, das als Grundlage einer Qualitätsüberprüfung unserer Schule von ihren eigenen Zielen her dienen kann. Solche regelmäßige Überprüfungen durch eine „Schulinspektion“ laufen derzeit in Niedersachsen an. Wesentlich für uns ist es gegenüber den allgemein geltenden Qualitätsstandards - z.B. für guten Unterricht - auch die eigenen Schwerpunkte und Kriterien für die Qualität einer evangelischen Schule deutlich zu machen: Etwa die Entwicklung tragfähiger Konzepte für Gottesdienste und Feiertage wie den Reformationstag, die uns ein zentrales Anliegen sind, oder das Bemühen um eine besondere Kultur des Miteinanders, wie es sich z.B. in den Schwerpunktsetzungen der Eingangsphase in den 5. Klassen ausdrückt. Die gegenwärtige Diskussion über Qualitätsstandards in den öffentlichen Schulen bildet auch für uns den Anlass über „Qualitätssicherung“ im besonderen Horizont einer Schule in kirchlicher Trägerschaft nachzudenken. Lehrerschaft, Eltern und Schüler sind aufgerufen sich daran zu beteiligen, denn das Andreanum ist unsere gemeinsame Angelegenheit.

Hingewiesen sei auch auf weitere Entwicklungen im vergangenen Schuljahr: Der Lateinplus-Zweig, das Angebot von Latein neben Englisch in Klasse 5 hat sich bewährt, das Interesse, das sich in den Anmeldezahlen ausdrückt, war auch beim zweiten Mal hoch. Die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit durch ein neues Konzept für den Informationsabend, eine attraktive Schulbroschüre und der Aufbau von engeren Kontakten zu den Grundschulen hat eine sehr positive Resonanz hervorgerufen. Auch die gestiegene Zahl der „Quereinsteiger“ auf das Andreanum ist ein Zeichen der gelungenen Öffnung der Schule nach außen.
Hartmut Schulz