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Der Schulträger

Wechsel in Klasse fünf: Wo die Grundschüler nach den Sommerferien wieder auftauchen

HIAZ Schuerlerzahl 19 20Im August beginnt der kleinste Jahrgang seit Langem an den weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Das Gymnasium bleibt beliebt. Aber nicht alle profitieren auch davon.

 

Von Christian Harborth und Norbert Mierzowsky

 

Das Wasser von Meeresströmungen ist ein Phänomen für sich. Man kann es auf der einen Seite der Welt an der Oberfläche eines Ozeans sehen, dann sinkt es plötzlich ab und taucht an einem anderen Ort, manchmal am anderen Ende der Welt, wieder auf. Und genau erklären, welchen Weg es genommen hat, können die wenigsten. Ganz ähnlich verhält es sich bei den Schülerströmen im Raum Hildesheim.

 

Schuelerzahlen 19 20 WilkeningGanz ähnlich verhält es sich bei den Schülerströmen im Raum Hildesheim. Am Ende der Grundschulzeit sitzen die Viertklässler noch für jedermann sichtbar in ihren Einrichtungen – und nach dem Ende der Sommerferien tauchen sie plötzlich in einer der weiterführenden Schulen auf. Aber welchen Weg sie genommen haben, um dahin zu gelangen, wissen am Ende nur die Eltern und Schüler selbst. Alles andere ist Kombination und Spekulation.

Warum wenden sich Eltern nun aber auf diesem Weg von eigentlich guten Bildungseinrichtungen ab? Warum befinden sich andere seit Jahren im Aufwind? „Die Verteilung unterliegt einer Dynamik, die man ganz schlecht einordnen und auch nicht steuern kann“, sagt der Leiter des Andreanums, Dirk Wilkening. Das sieht Georg Lauter, stellvertretender Leiter des Gymnasiums Himmelsthür, ähnlich. „Man kann diese Bewegungen nicht wie eine Bundesligatabelle betrachten“, sagt Lauter. Die Schülerströme seien äußerst kompliziert. „Und manchmal drehen sie sich ohne Vorzeichen auch wieder um.“

Dass Lauter diese Worte wählt, ist vergleichsweise bemerkenswert. Denn die Schule hat trotz landkreisweit niedriger Schülerzahlen allgemein einen ordentlichen Schub nach vorn bekommen. 128 Mädchen und Jungen beginnen nach den Ferien in der fünften Klassen des Gymnasiums Himmelsthür. Im Vorjahr waren es 115. „Wir freuenuns natürlich über diesen großen Erfolg“, sagt Lauter.

 

HIAZ Einblender Schuelerzahl 19 20Das Gymnasium Himmelsthür ist eine Schule des Landkreises. Zusammengerechet nehmen die weiterführenden Landkreis-Schulen 1201 neue Fünftklässler auf. Im Vorjahr waren es 1243 (minus 3,4 Prozent). Noch auffälliger ist der allgemeine Rückgang bei dbei den Bildungseinrichtungen der Stadt Hildesheim. Im Schuljahr 2018/19 gab es noch 668 Fünftklässler. Nach dem Sommer beginnen595 Mädchen und Jungen (minus elf Prozent). Daneben gibt es weitere Träger, die aber ebenfalls mit dem Schüler-Knick fertig werden müssen.

Trotz des Knicks bleibt die Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheims Schule mit den meisten Anmeldungen. Und auch mit den meisten abgelehnten Schülern. 269 Mädchen und Jungen wollten gern eine der sechs künftigen fünften Klassen besuchen, die nach den Sommerferien mit dem Unterricht beginnen. „173 konnten wir aufnehmen“, sagt Schulleiter René Mounajed.

Die Nordstadtschule befindet sich seit Jahren im Aufwind. Sogar der neue Schulbezirk für die IGS Bad Salzdetfurth, der vielen Schülern des Südkreises untersagt, eine der Hildesheimer Gesamtschulen zu besuchen, hat nicht zu einem Einbruch der Anmeldezahlen an der RBG geführt. „Vor der Einrichtung des Schulbezirks hatten wir noch 16 Anmeldungen aus Diekholzen und Holle“, sagt Mounajed. Jetzt seien es noch vier, die mit einer Ausnahmegenehmigung zur RBG wechseln dürfen. Auch im Schuljahr 2018/19, vor der Einführung des Bezirks, nahm die Schule aus der Richthofenstraße 172 Schüler auf. Und auch da musste sie rund 100 Mädchen und Jungen ablehnen.

Wo diese 100 Schüler am Ende landen, wird nirgends registriert. Manche Schulen sprechen in Beratungsgesprächen Empfehlungen aus. Die RBG etwa verweist Eltern gern auf die „kleine Schwester“ Oskar- Schindler-Gesamtschule auf der Marienburger Höhe. Dort beginnen im August 53 Schüler (Vorjahr 59). Engere Verbindungen wurden in der Vergangenheit auch dem  Goethe- und dem Scharnhorstgymnasium nachgesagt. Und es ist auch kein großes Geheimnis, dass katholische Eltern, deren Kind auf dem Bischöflichen Gymnasium Josephinum (aktuell: 98, Vorjahr: 109) abgelehnt wurde, es anschließend gern auf der ebenfalls katholischen Marienschule (115, 106) versuchen. Oder eben umgekehrt.

Eine vergleichsweise komfortable Ausgangslage hat in dieser Hinsicht das Gymnasium Andreanum, das viel von evangelisch-musikalisch geprägten Schülern angesteuert wird. „Wir nehmen wieder 93 Schüler auf und eröffnen zwei Latein- und eine Musikklasse“, sagt Schulleiter Wilkening. Laut Statistik waren es im Vorjahr 94 Mädchen und Jungen.

In schwierigem Fahrwasser befindet sich seit einigen Jahren das Goethegymnasium. Die städtische Schule beginnt nach den Sommerferien zwar erneut dreizügig, unterrichtet in den drei fünften Klassen aber nur noch 62 Schüler. Im Schuljahr davor waren es noch 80. „Natürlich sind wir damit nicht zufrieden“,  sagt die kommissarische Leiterin Gisela Jäschke. Sie verweist darauf, dass sich die Schule derzeit im Umbruch befinde. Gemeinsam mit dem neuen Schulleiter werde man sich Gedanken machen, wie es wieder aufwärts gehen kann. „Wir müssen daran arbeiten, dass wir die Kurve kriegen.“

Nach Jahren des Aufwinds hat auch das Scharnhorstgymnasium erstmals wieder weniger Anmeldungen. Die Schule an der Steingrube beginnt nach den Ferien mit 90 Schülern in drei Klassen. Im Vorjahr waren es 121. Am Scharnhorstgymnasium ist man trotzdem zufrieden. „Nach den Ferien beginnt der kleinste Jahrgang, den wir im Landkreis seit Langem haben“, sagt Schulleiter Marcus Krettek. Er habe sogar mehr Bewerber gehabt, als er am Ende berücksichtigen konnte.

Wohin es die restlichen zog, kann er nicht sagen. Die verschwanden gleich wieder von der Oberfläche. Aber nach den Sommerferien tauchen sie ganz sicher an einer anderen Schule wieder auf.

 

 

Gymnasien und Gesamtschulen bleiben die Renner im Landkreis

Kreis Hildesheim. Nach wie vor ziehen Gymnasien und Gesamtschulen am stärksten: Mehr als die Hälfte aller Viertklässler im Landkreis Hildesheim wechselt nach den Sommerferien zu einer der beiden Schulformen – 446 zu einem der vier Gymnasien in der Trägerschaft des Landkreises und 245 zu einer der beiden Gesamtschulen in Bad Salzdetfurth (91) und in Gronau (154). Die acht Oberschulen, also der gemeinsame Schulverbund von Haupt- und Realschulzweig, verlieren im Vergleich zum Vorjahr zwölf Prozent an Fünftklässlern: 383 Anmeldungen statt 435. Zur reinen Realschule, der Carl-Benscheidt-Realschule in Alfeld, gehen 90 und zur Schulrat-Habermalz-Hauptschule sind zehn Schüler angemeldet. Vorläufig jedenfalls, schränkt Karl-Heinz Brinkmann ein. Er ist Fachdienstleiter Schulen beim Landkreis: „Noch ist es eine Momentaufnahme, die Zahlen stehen erst am 29. August endgültig fest.“

Doch große Verschiebungen dürfte es wohl nicht mehr geben, so dass die einzelnen Schulen bereits Planungssicherheit haben, wie viele fünfte Klassen nach den Ferien an den Start gehen werden. Die Klassenteilungsgrenze liegt bei 28 Schülern, sodass die Oberschulen fast alle mindestens zweizügig beginnen werden. Knapp über der Grenze liegt nur die Oberschule in Lamspringe mit derzeit 29 angemeldeten Schülern, knapp darunter die Oberschule in Delligsen mit 26 Schülern – immerhin sieben mehr als im Vorjahr. Seit 2018 ist die Krüger-Adorno-Oberschule in Elze raus aus der Statistik. Wovon möglicherweise auch das CJD in Elze profitiert, dort sind jedenfalls die Anmeldezahlen von 83 auf 96 gestiegen.

Doch es bleiben nur Zahlen, daraus Rückschlüsse auf die Schülerströme zu schließen, bleibt heikel. Aus Verwaltungssicht bleibt jedenfalls alles weiterhin im grünen Bereich, die Anmeldezahlen für die Schulen in Trägerschaft des Landkreises sind nur minimal – von 1243 auf 1201 – gesunken. „Für unsere Planungen gibt es jedenfalls keinen neuen Handlungsbedarf“, sagt Brinkmann.Das gilt auch für das Gymnasium Himmelsthür, das nun fünf- statt vierzügig starten wird. Dort reicht der Raum so gerade eben aus.

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 04.06.2019