Immer weniger Schüler an beiden städtischen Gymnasien

von Christian Harborth

HILDESHEIM. Laufen die Gesamt- und Realschulen den beiden städtischen Gymnasien den Rang ab? Während die Zahl der Mädchen und Jungen, die das Goethe- und das Scharnhorstgymnasium besuchen, einen historischen Tiefpunkt erreicht hat, hat ihre Zahl an den Gesamtschulen Robert Bosch und Oskar Schindler wie auch an den beiden städtischen Realschu- len Renata und Himmelsthür deutlich zugenommen. Auch die Zahlen an den fünf übrigen Gymnasien in der Stadt sind trotz insgesamt sinkender Schülerzahlen stabil.

 

Im Schuljahr 2010/2011 waren es noch 2375 Schüler an Goethe und Scharnhorst. In der aktuellen Statistik, die die Stadt als Träger jetzt veröffentlicht hat, sind es gerade noch 1421 (Goethe: 769; Scharnhorst: 652). Das entspricht einem Rückgang von 40,2 Prozent. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Schüler der beiden Gesamtschulen Robert Bosch (RBG) und Oskar Schindler (OSG) von einst 1583 auf inzwischen 1988 angewachsen (plus 25,6 Prozent).

Der weitaus größte Teil entfällt dabei auf Hildesheims derzeit beliebteste Schule, die RBG. Sie besuchten zum Stichtag 29. August des vergangenen Jahres 1445 Mädchen und Jungen. Bei der OSG waren es 543. „Aber die Gymnasiasten von Goethe und Scharnhorst sind nicht bei uns gelandet“, sagt Rene Mounajed, Leiter der RBG.

Die Gesamtschule in der Nordstadt hat seit vielen Jahren deutlich mehr Interessenten als Plätze in den fünften Klassen frei sind. Den deutschlandweiten Trend hin zur Gesamtschule vermag Mounajed in Hildesheim aber nicht zu erkennen. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Gymnasien anderer Träger weiterhin stark sind. So haben sowohl die kirchlichen Gymnasien Andreanum, Josephinum und Marienschule als auch die Landkreis-Schulen Gymnasium Himmelsthür und Michelsenschule seit Jahren stabile Zahlen. „Sie bekommen die demografische Entwicklung so gut wie gar nicht zu spüren“, sagt ein Kenner der Schulszene. Das Andreanum hatte zum Stichtag 755 Schüler, das Josephinum 936 und die Marienschule 818. Michel- sen besuchten 769, das Gymnasium Himmelsthür 875.

Die städtischen Realschulen legen seit einigen Jahren und nach einer längeren Durststrecke davor wieder zu. Sie haben jetzt zusammen 1107 Schüler. „Viele Eltern scheinen mittlerweile realisiert zu haben, dass es nicht gut ist, die Schüler aufs Gymnasium zu schicken, wenn sie von den Leistungen her auf eine andere Schule gehören“, vermutet Jürgen Nowak, Bereichsleiter Schule und Sport der Stadt. Die Eltern können dies aber nach wie vor frei entscheiden. Bei der Statistik ist laut Nowak auch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass alle weiterführenden Schulen mit Oberstufe jetzt automatisch einen zusätzlichen Jahrgang und dadurch mehr Schüler bekommen. Das wird sich aber erst in der nächsten Statistik auswirken:

Legt man die Gesamtzahl aller Schüler weiterführender Schulen im Kreis Hildesheim zugrunde, bleibt das Gymnasium die beliebteste Schulform. 8042 Mädchen und Jungen besuchten zum Stichtag 29. August 2019 die zehn Gymnasien in Stadt und Landkreis Hildesheim. Etwas mehr als die Hälfte (4154) ging auf eine der vier Gesamtschulen oder die Freie Waldorfschule. Real-, Ober- und Hauptschulen besuchten zusammen 6236 Mädchen und Jungen.

Zum Stichtag gingen 36 110 Mädchen und Jungen auf Schulen der Region. Fast 19 730 von ihnen besuchten weiterführende Schulen. Die Schülerzahlen sind wegen der demografischen Entwicklung seit Jahren rückläufig. 2015/16 waren es noch fast 38 000. Das entspricht einem Rückgang von 5 Prozent binnen vier Jahren. Doch auch hier rechnet man wegen steigender Geburtenzahlen mit einem baldigen Umschwung. „Jedes Jahr werden jetzt etwa 50 Mädchen und Jungen mehr eingeschult“, sagt Nowak. Im Sommer werden es an Hildesheimer Grundschulen 883 sein.

 

Text: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 12.02.2020