Die Suche nach dem Superdünger

Helena Hirschfeld67 Nachwuchswissenschaftler stellen sich dem Regionalwettbewerb von „Schüler experimentieren“ in der Halle 39 der Jury. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen haben sie Tricks für den Alltag im Gepäck.

Von Katharina Franz und Cornelia Kolbe (Fotos) 

 

Wie speichert man eigentlich am besten Energie? Womit hält man Wasser bei Überflutungen auf? Was erleichtert Menschen den Alltag, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind? Das sind nur drei von unzähligen Fragen, die sich die Nachwuchsforscher an den Schulen in und um Hildesheim stellen. Unter dem Motto „Schüler experimentieren“ haben am Mittwoch 67 Schüler ihre Projekte in der Halle 39 vorgestellt. Viele ihrer Ideen sind Alltagsbeobachtungen entsprungen. Die Teilnehmer müssen mindestens in der vierten Klasse und dürfen maximal 14 Jahre alt sein. 

Helena Hirschfeld findet zum Beispiel, dass Menschen sich viel zu sehr von Etiketten in die Irre führen lassen. Um zu beweisen, dass es die Wahrnehmung tatsächlich beeinflusst, wenn auf einem Apfel ein Bio-Aufkleber ist, hat sie 100 Leute an ihrer Schule befragt. Ihre Probanden durften Apfelspalten der Sorte Elstar probieren – von unterschiedlichen Tellern. Dabei wussten nicht alle Versuchsgruppen, welchen Apfel sie da gerade kosteten. Manche führte Helena ganz bewusst an der Nase herum. 

 

Helena Hirschfeld geht aufs Andreanum. Sie wollte wissen, ob sich die Menschen von Bio-Etiketten beeinflussen lassen. 

Heraus kam, dass die Leute tatsächlich eher den Apfel leckerer finden, den sie für den Bio-Apfel halten. Ein halbes Jahr lang hat Helena sich mit dem Apfelexperiment beschäftigt.  Die Teilnehmer an dem Wettbewerb „Schüler experimentieren“ müssen ihre Projekte bis Ende November über ein Onlineportal anmelden. Ende Januar haben sie eine schriftliche Ausarbeitung abzugeben. Darin sollen auch die Testergebnisse stehen.  Die Veranstaltung in der Halle 39 ist der Regionalwettbewerb. Wer hier gut abschneidet, qualifiziert sich für den Landeswettbewerb. Die Motivation der Teilnehmer reicht von wissenschaftlicher Neugier bis hin zu Interesse an den Preisen. „Wer gewinnt, bekommt ja auch eine Belohnung“, grinst Noah-Yasin Schäfer von der Renataschule. Er arbeitet mit zwei anderen Jungen an seinem Projekt „Optimierte Cola-Mentos-Fontäne“.  64 Prozent der Teilnehmer an „Schüler experimentieren“ sind männlich. Die Beteiligung am Wettbewerb „Jugend forscht“ für ältere Schüler ist in der Region ausgeglichener: 49 Prozent Mädchen und 51 Prozent Jungen. 

 

 

Tom Schneider Karl Wilhelm Spörlein jpgDer alternative Klebstoff aus einer Weingummimasse 

Was tun, wenn der Klebstoff alle ist? Tom Schneiders und Karl Wilhelm Spörlein haben eine Alternative gefunden: Gummibärchenkleber. Sie haben einfach Weingummi mit dem Bunsenbrenner geschmolzen und mit der klebrigen Masse zwei Holzplatten aneinander geklebt.  Aber taugt der Gummibärchenkleber überhaupt etwas? Um das he- rauszufinden, haben die Schüler drei Weingummisorten getestet: Katjes, Haribo und Nimm Zwei. Dabei sind sie akribisch vorgegangen: Die ein- geschmolzene Masse hatte zwischen den Holzblöcken zwei Minuten Zeit zum Trocknen. So lange beschwerte ein Gewicht den zweiteiligen Turm. Anschließend befestigten die beiden Chemiker das Konstrukt an zwei Greifarmen. Die hielten die größere der beiden Platten fest. An die untere Holzplatte hängten die Jungs Testgewichte. Sie erhöhten das Gewicht so lange, bis die Platte abfiel. Ihr Ergebnis: Die Produkte der verschiedenen Weingummihersteller eignen sich tatsächlich unterschiedlich gut als Klebstoff. Der Testsieger: Haribo. „Anscheinend verwenden die besonders klebrige Inhaltsstoffe“, resümiert Tom. 

 

Anton Böhmer jpg

 Damit wächst Winterweizen am besten 

 

Anton Linhart Böhmer vom Andreanum hat sich ausschließlich mit Winterweizen beschäftigt. Sechs Testtöpfe legte er an. Einen düngte er mit Apfelsaft, einen mit Laub, einen mit Tee und einen mit Hühnerkot – den besorgte seine Lehre- rin von einem Bauernhof. Der sechste Topf war ein Vergleichstopf, dem er außer Wasser gar nichts zuführte. Nach einer guten Woche trieb der Winterweizen bereits aus. Zwei Wochen später sprossen lange grüne Halme aus den Blumentöpfen. Am schönsten sah die Pflanze aus, die Anton mit Tee gedüngt hatte. Trotzdem hält der junge Wissenschaftler gehäckseltes Laub für die beste Variante: „Das ist einfach am praktischsten, weil in der Natur überall Blätter herumliegen.“ 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 20.02.2020