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Der Schulträger

Zum Thema: Erinnerungskultur

Straßenschild Elsa BrandströmAus dem Unterricht des WPK Gesellschaft des 8. Jahrganges:  

 

Von der Corona-Pandemie waren die Wahlpflichtkurse besonders betroffen, weil sie auch nach der Wiedereröffnung der Schulen nur auf digitaler Basis weiterarbeiten durften, denn es sollte keine klassenübergreifenden Gruppen in der Schule geben. Die folgende Arbeit ist also zwar mit meiner Unterstützung, aber ohne persönlichen Kontakt und nur im Homeoffice der Schülerin entstanden.

 

 

                                                                                                                                                Straßenschild in Leverkusen

Die Schüler*innen sollten sich mit selbst gewählten Straßennamen und Denkmälern in Hildesheim und Umgebung beschäftigen und die biografischen Hintergründe, aber auch Auseinandersetzungen in den Gemeinden über die Bedeutung und Erhaltung der Straßennamen und Denkmäler recherchieren.Schließlich sollten sie sich selbst darüber Rechenschaft ablegen,
ob sie mit dieser Art der Erinnerungskultur einverstanden sind.                               

Karin Frank-Gerstung

Und hier der Bericht von Verena Steinke über Elsa Brandström:

Elsa Brändström

Elsa Brändström oder auch Elsa Brandström, bekannt als Engel von Sibirien, war eine Aktivistin, die sich vor allem mit den deutschen und auch österreichischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg, die in Sibirien gefangen wurden, beschäftigte. Ich habe mich entschieden, mich mit Elsa Brandström auseinanderzusetzen, da mein Kindergarten an der Kreuzung der Martin-Luther-Straße und der Elsa-Brandström-Straße liegt. Martin Luther ist eine Person, die man eher kennt, aber ich fragte mich, wer hinter dem Namen Elsa Brandström steckt, also fing ich an, mich über sie zu informieren. 

Besondere Kindheit
Sie war eine schwedische "Philanthropin", also eine schwedische Frau mit menschenfreundlichem Denken und Verhalten, die am 26. März 1888 in St. Petersburg geboren wurde und in Schweden für damalige Verhältnisse freier als gewöhnlich mit ihren zwei jüngeren Brüdern aufwuchs. Sie durfte nämlich Freizeitbeschäftigungen wie Rodeln und Klettern machen oder auch in Opernvorstellungen gehen. Sie durfte ihre eigene Meinung sagen und beim Essen reden. Ihr Vater war ein schwedischer Offizier, der eine Auslandsvertretung in Russland hatte. Nachdem die Diplomatentochter dann ein Lehrerinnenseminar in Stockholm besucht hatte, zog sie ihrer nach St. Petersburg zurückgekehrten Familie hinterher.

"In den Gängen musste man über die Körper steigen"
1914 erlebte Elsa Brandström den Beginn des ersten Weltkriegs und wurde Zeugin einer europaweiten Kriegsbegeisterung. Denn unzählige junge Männer wollten sich freiwillig dem Kriegsdienst anschließen, während sich die meisten Frauen für den Pflegedienst ausbilden ließen, so auch Brandström. 1915 reiste die nun 27-Jährige dann als Krankenschwester für fünf Jahre nach Sibirien. Dort schockierten sie und ihre Helferin Ethel von Heidenstamm die grausamen Zustände in den Lagern. In den Baracken, Holzschuppen oder sogar Erdhöhlen, die völlig überfüllt waren und in denen die Kranken und Gesunden dicht gedrängt nebeneinander lagen, gab es zahlreiche Krankheiten. Außerdem fehlten Betten, Decken, Waschmöglichkeiten, sogar 

Wasser. Brandström berichtete: „In den Gängen musste man über die Körper steigen." Oftmals wurde sogar das Abwasser mit sauberem Wasser vermischt, was einer von vielen Gründen war, warum es dort so viele Kranke gab. Ein anderes Beispiel wäre, dass die tief gegrabenen Erdhöhlen, wo viele untergebracht wurden, oftmals bei Schneeschmelze unter Wasser standen. Dort vorherrschende(r) Hunger, Erfrierungen, Durchfall oder Typhus führten zu einer Sterblichkeitsquote von 80%!

Der große Erfolg
Daraufhin holten Elsa und Ethel Hilfe beim Deutschen, Schwedischen und Österreichischen Roten Kreuz. Außerdem setzten sie sich zielbringend bei den russischen Behörden für eine bessere Betreuung der Gefangenen ein. Schließlich zeigte sich, dass Elsa und Ethel erfolgreich gekämpft hatten, da viele Verbesserungen, wie zum Beispiel die Trennung von Kranken und Gesunden, sogar die Auflösung der Erdbaracken vorgenommen wurden. Doch der große Erfolg war, dass die Sterblichkeitsquote nun bei nur noch 18% Prozent lag. Da Elsa Brandström keine Angst vor Ansteckungen hatte, erkrankte sie selbst an Fleckentyphus, woraufhin sie fast gestorben wäre. Als die Schwedin dann nach St. Petersburg zurückkehrte, half sie beim Aufbau einer schwedischen Hilfsorganisation. Doch da 1917 in Russland die Oktoberrevolution ausbrach, hatte der russische Staat andere Probleme und keine Zeit für Hilfsorganisationen. Schließlich hatte sie keine Arbeitserlaubnis mehr, aber trotzdem weigerte sie sich, ihr Projekt aufzugeben. Sie reiste weiterhin nach Sibirien, um die Kranken mit Medikamenten, warmer Kleidung sowie Lebensmitteln zu versorgen, bis sie schließlich verhaftet wurde und wieder nach Schweden ging. 

Kontakt zu Adolf Hitler
Da sie nicht nur tatenlos dort verharren wollte, organisierte sie von Schweden aus Geldsammlungen für die Kriegsgefangenen in Sibirien.  Des Weiteren schrieb sie während einer Depression 1920 noch ein Buch über jene Gefangenen und ihre Erlebnisse. Außerdem kümmerte sie sich um die Heimkehr der deutschen Kriegsgefangenen und um deren Kinder. Zusätzlich gründete sie für diese Kinder ein Heim. 1923 machte sie noch eine Vortragsreise in die USA, um Geld für ein weiteres Kinderheim zu sammeln. Sie heiratete 1929 den Dresdner Pädagogikprofessor Robert Ulrich und bekam 1932 eine Tochter.

Irgendwann wurden auch die Nationalsozialisten auf sie aufmerksam und Adolf Hitler bat sie um einen Besuch, doch Brandström antwortete per Telegramm provokativ einfach nur: “Nein". Denn Brandström ging es, anders als Hitler angenommen hatte, nicht um nationale Überlegungen, stattdessen wollte sie den Menschen helfen. 1939 zog sie mit ihrer Familie in die USA und gründete dort eine Flüchtlingshilfe. Gegen Kriegsende legte sie den Grundstein für die Hilfsaktionen CARE Inernational und CRALOG und führte außerdem die noch heute berühmten Care-Pakete ein. Brandström hatte schon viele Reisen unternommen, doch die nach Deutschland konnte sie aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr antreten.

Elsa Brandström starb am 4. März 1948 mit 59 Jahren in Cambridge, wo ihr Mann eine Gastprofessur innehatte, an Knochenkrebs, begraben wurde sie aber auf einem Friedhof bei Stockholm. Die bekannte Philanthropin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und es wurden einige Filme über sie gedreht.

Engel von Sibirien
Ich denke, das Besondere an ihr und auch der Grund, dass u.a. Straßen nach ihr benannt werden, ist, dass sie streng zu den Kommandanten war, aber liebevoll und freundlich mit den Kranken umging. Sie hatte ein großes Herz, deshalb mochten sie auch so viele erkrankte Menschen, um die sie sich gekümmert hatte. Ein Häftling erinnert sich: "Wenn sie ins Zimmer trat, dann war es, als ob jemand eine Kerze angezündet hätte." Aus diesen Gründen bekam sie den Ehrentitel: Engel von Sibirien. Doch der Häftling meinte, sie hasse diesen Namen sehr, denn ihr war es besonders wichtig, die dortigen Lebensbedienungen zu verbessern, anstatt eine romantische Stimmung auszulösen. Außerdem war sie die einzige Frau unter hunderten Männern, die es schaffte, Verbesserungen in den Gefangenenlagern vorzunehmen.

Konfliktpotential?
Ich denke nicht, dass der Straßenname zu Streit in einer heutigen Gemeinde führen könnte, da sie zwar kurz Kontakt zu Adolf Hitler hatte, aber wie schon oben gesagt, ihn kalt abblitzen ließ. Die einzige Uneinigkeit, die es geben könnte, ist, ob die Straße Elsa-Brandsröm- oder Elsa-Brändström-Straße heißen sollte. Zu der Frage, ob ich auf eine andere Weise an Elsa Brandström erinnern würde, finde ich, dass es so prinzipiell gut ist, jedoch könnte man zusätzlich noch eine Infotafel über sie in der Straße aufstellen oder in der Ortsmitte eine Infotafel über alle Straßennamen in Bad Salzdetfurth, die nach einer Person benannt wurden, errichten. Zwar könnte man auch ein Denkmal für sie aufstellen aber ich denke, da Brandström nicht so berühmt ist wie zum Beispiel Martin Luther, wäre es komisch, aber auch ungerecht gegenüber den anderen berühmten Persönlichkeiten, ihr ein Denkmal zu setzen. Das nämlich könnte dann tatsächlich einen Konflikt in der Gemeinde geben.

Autorin: Verena Steinke (8L2)

Quellenangaben:

 -  https://www.mdr.de/zeitreise/elsa-braendstroem-geschichte-mitteldeutschlands100.html

-   https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Br%C3%A4ndstr%C3%B6m

-   https://www.welt.de/geschichte/article114756024/Der-Engel-von-Sibirien-gab-Hitler-einen-Korb.html

-   https://www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/neuzeit/elsa-braendstroem-geschichte-mitteldeutschlands-chronologie102.html

-   https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/mit-vitamin-b-ins-sibirische-lager-20240

 

Foto: Stadt Leverkusen