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Klimaschutz erstreiten

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Der Schulträger

Unterricht mit besonderen Regeln

Corona Schulstart

Am Donnerstag beginnt an den weiterführenden Schulen der Lehrbetrieb. Eigentlich nichts Außergewöhnliches.

Doch in diesem Jahr ist wegen Corona alles anders. Zwar werden nun wieder alle Schüler zeitgleich unterrichtet. Es gibt aber zahlreiche Einschränkungen. 

 

Von Wiebke Barth und Sebastian Knoppik 

Grundsätzlich gilt für alle: Es werden sogenannte Kohorten gebildet, meist bestehend aus einem Jahrgang, die untereinander, aber möglichst nicht mit anderen Schülern Kontakt haben. Sind die Abstände von 1,5 Metern nicht möglich – zum Beispiel in engen Fluren – besteht Maskenpflicht. 

An der Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) etwa gilt diese auf dem gesamten Schulgelände. Ausnahme sind die Klassenräume. Es gibt aber auch eine Ausnahme von dieser Ausnahme. „Wenn man den Schülern zu nahe kommt, dann sollte man die Maske aufsetzen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Dohmen. 

Das Christophorus-Gymnasium in Elze hat ein Einbahnstraßensystem eingerichtet, um Begegnungen so- weit wie möglich zu reduzieren. Auf den Treppen herrscht Linksverkehr: Das passe besser zu den baulichen Gegebenheiten als Rechtsverkehr, erläutert Schulleiterin Monika Gerdemann. Und was anders sei als gewohnt, darauf achte man auch mehr. Den Klassen werden für die Pausen bestimmte Zeiten und Bereiche zugewiesen. „Wir haben zum Glück ein schönes, großes Gelände.“ Die Lehrer sollen die Klassen zu den Bereichen begleiten und in der Pause Aufsicht führen. 

An der Molitoris-Oberschule Harsum müssen während der Pausen auf dem Schulhof keine Masken getragen werden. Dort werden für jeden Jahrgang eigene Bereiche ausgewiesen, die dann auch jeweils eine eigene Aufsicht haben. An der RBG haben die Jahrgänge fünf bis sieben jeweils eigene Bereiche, während sich die Jahrgänge acht und neun so- wie zehn bis 13 in jeweils einem Teil des Schulhofs gemeinsam aufhalten sollen. Hier muss auch während der Pause der Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Das gleiche gilt an der Michelsenschule. Trotz der Einteilung in Bereiche, sei die Fläche nicht groß genug, um Abstände garantieren zu können, sagt Schulleiterin Susanne Brandes. 

Das Gymnasium Andreanum veröffentlicht auf seiner Website die Regeln für das neue Schuljahr. Dazu gehört auch eine tabellarische Zuordnung der Jahrgangsstufen zu den verschiedenen Eingängen auf unterschiedlichen Gebäude-Ebenen. In den Fluren sollen sich die Schüler rechts halten. Eltern dürfen nicht mit in die Schule kommen. 

Zur Integrierten Gesamtschule (IGS) Bad Salzdetfurth kämen die Schüler meist mit dem Bus, erklärt Schulleiterin Andrea Milbrod-Jakob. Durch die unterschiedlichen Ankunftszeiten kämen die Schüler schon versetzt im Gebäude an. Sie sollen dann die Pausenzonen ihrer Klassen ansteuern, die sie schon kennen. Dort werden sie von den Lehrern abgeholt und in die Räume begleitet. Bei schlechtem Wetter, sagt Milbrod-Jakob, gehe es gleich in den Klassenraum. Dann müssten die Lehrer eben auch früh genug für den ersten Bus da sein. 

So bald wie möglich will die Schule auch wieder ein Mittagessen anbieten, auch im Interesse der Eltern. Aus organisatorischen Gründen allerdings erst nach den AG-Wahlen. Dann werde die Mittagspause wohl verlängert, um zeitversetztes Essen zu ermöglichen. Eventuell werde der Freizeitbereich zur Mensa dazugenommen. „Schulleben ist mehr als nur Unterricht“, sagt Milbrod-Jakob. Die Schüler sollten wieder Teilhabe und Gemeinschaft erfahren. 

Inwieweit alle Regeln im Alltag tatsächlich umgesetzt werden können, wird die Praxis zeigen. So müssen sich an der RBG alle Schüler nach dem Absetzen ihrer Maske im Klassenraum erstmal die Hände waschen. „Das ist schwierig“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Dohmen. Schließlich müssten sich dann 30 Schüler erstmal am Waschbecken anstellen. Problematisch findet die Pädagogin auch, dass in der Schule zwar auf den Abstand zwischen den Schülern der einzelnen Jahrgänge geachtet werde, anschließend im Bus aber wieder alle zusammensitzen. „Es ist eine große Herausforderung“, fasst Susanne Brandes (Michelsenschule) zusammen, „aber wir müssen uns der Aufgabe stellen.“ 

Wie werden die Schüler auf die Bedingungen vorbereitet? 
Zwar waren vor den Sommerferien noch nicht alle Schüler gleichzeitig im Präsenzunterricht, doch die Grundsätze der Hygieneregeln, vorgeschriebene Abstände und Maskenpflicht sind den Kindern und Jugendlichen schon weitgehend bekannt. Auch gekennzeichnete Einbahnstraßen-Regeln oder zugeteilte Pausenbereiche kennen die Schüler schon aus dem vergangenen Schuljahr. 

Erklären, was neu ist, und auffrischen, was vergessen wurde, das werde dann in den Klassen gemacht, sagt Milbrod-Jakob. In den Pausen würden die Aufsichten verstärkt, um auf Abstände zu achten: „Das vergessen die Schüler im Alltag natürlich auch mal, wenn sie zusammen sind.“ 

Das Andreanum hat seine Corona-Regeln nicht nur auf der Website erläutert, es würden auch Elternbriefe verschickt, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ruth Wallis. Außerdem erhielten die Schüler – wie sonst auch – zum Schuljahresbeginn in den Klassen eine Einweisung in die Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Michelsenschule verschickt digitale Briefe an Eltern und Schüler. 

 

Wie ist der Lernstand der Schüler und wie geht die Schule damit um? 
Zu Hause und digital lernen ist nicht das Gleiche wie in der Schule, durch Schließzeiten und den geteilten Unterricht ist teilweise Stoff auf der Strecke geblieben. Die Schulen haben die Vorgabe des Kultusministeriums, sich im neuen Schuljahr in den Langzeitfächern auf die Basics zu konzentrieren: Der geplante Lernstoff wird durchgenommen, aber manche Randthemen können beiseite gelassen werden, um Zeit für die Grundlagen zu gewinnen. „Der Lernstand ist vermutlich sehr unterschiedlich“, meint Susanne Brandes, „das werden wir berücksichtigen.“ 

Was im vorangegangenen Halbjahr versäumt wurde, soll nicht kurzfristig nach den Ferien im Schnelldurchgang aufgeholt werden. Die Schulen setzen vielmehr auf das Prinzip des sogenannten Spiral-Curriculums: Themen kommen zur Vertiefung in den verschiedenen Jahrgangsstufen immer wieder in variierender Form auf den Plan. Bei diesen Gelegenheiten soll Versäumtes nachgeholt werden. 

Das Gymnasium Andreanum hat unter dem Namen LernRaum einen individuellen Förderunterricht eingerichtet, der in bestimmten Fächern, bei Sprachdefiziten oder auch der Mappenführung helfen soll – je nachdem, wo es Lücken gibt. 

 

Wie werden die Einschulungen der Fünftklässler vonstatten gehen? 
Die Einschulung in die weiterführende Schule ist wohl nicht so aufregend wie für die Erstklässler, aber den- noch ein bedeutsamer Tag und Beginn eines neuen Lebensabschnitts für die Kinder. „Die Schüler sollen einen schönen Start haben, sich will- kommen fühlen und merken, dass wir uns auf sie freuen“, sagt Andrea Milbrod-Jakob von der IGS Bad Salzdetfurth. 

Da Veranstaltungen in großem Umfang nicht möglich sind, setze die Schule umso mehr auf den Klassen-verband. Daher hätten die Kinder schon alle einen Brief mit Einladung zur Einschulung vom Klassenlehrer erhalten. Auch die Eltern sollten von Anfang an mit eingebunden werden. Für die fünften Klassen beginnt ihre Zeit an der IGS mit einer Einführungswoche. 

Die Einschulung am Christophorus-Gymnasium in Elze findet in der großen Sporthalle statt, außerdem geteilt zu zwei Uhrzeiten mit jeweils zwei der vier Klassen. So ist es möglich, dass jedes Kind bis zu vier Angehörige mitbringen kann und dabei Abstand zwischen den Familien gewahrt bleibt. Auch die Michelsen- schule teilt die Fünftklässler auf und veranstaltet in der Aula vier Einschulungsfeiern. Nur die Eltern dürfen mitkommen. 

Das evangelische Gymnasium Andreanum nutzt die geräumige Andreaskirche für einen Einschulungsgottesdienst. Jedes Kind darf zwei Erwachsene sowie zusätzlich kleinere Geschwisterkinder mitbringen. 

An der Molitoris-Oberschule Harsum wird die Einschulungsfeier für die neuen Fünftklässler in zwei Veranstaltungen aufgeteilt. Und das Ganze wird „nicht so bombastisch“ wie zu normalen Zeiten, sagt Schulleiterin Kyas. Es gibt nicht wie sonst eine musikalische Darbietung. Statt- dessen werden Sketche aufgeführt, die allerdings vorher aufgezeichnet wurden und per Video gezeigt werden. 

 

Fehlen viele Lehrkräfte, weil sie als Risikopatienten mit Attest keinen Prä- senzunterricht erteilen müssen? 
Lehrkräfte, die an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge, an einer chronischen Erkrankung der Leber, Diabetes mellitus oder einer Einschränkung des Immunsystems leiden und ein Attest beibringen, müssen keinen Präsenzunterricht erteilen, sondern können im Home-Office bleiben. 

Doch die Zahl der Lehrer, auf die das zutrifft, ist gering. Im Christophorus-Gymnasium Elze sind es voraus- sichtlich nur zwei Lehrer, erklärt Leiterin Gerdemann. Auch das Andreanum muss nur auf zwei von 80 Kollegen verzichten, so die stellvertretende Leiterin Ruth Wallis. An der RGB fallen nur drei von 130 Lehrkräften aus. In Harsum ist es nur einer von 75. Mehrere Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, hätten sich bereiterklärt, trotzdem zu unterrichten, so Schul- leiterin Kyas. 

Auch Andrea Milbrod-Jakob gibt Entwarnung: „Nur wenige Kollegen werden fehlen.“ Allerdings, schränkt Susanne Brandes ein, sollten die Fallzahlen steigen, würden vielleicht weitere Kollegen ins Home-Office ausweichen. 

Foto: Julia Moras

Text und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 25.08.2020