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Endlich geschafft - ab dem 18.12.2020 darf sich das Andreanum offiziell 'Fairtrade School' nennen. Ein positiver Abschluss für das Jahr. Eine digitale Feier soll im Frühjahr stattfinden, seid gespannt!

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„Aufholen nach Corona“: Wie Jugendliche die vergangenen Monate erlebt haben

Die vergangenen Monate waren für viele Schülerinnen und Schüler wie eine Achterbahnfahrt. (....) Jugendliche erzählen von ihren Erfahrungen. Uni-Professor Wolfgang Schröer fordert generell, junge Menschen künftig stärker einzubinden.

Zitat Rebecca Schmidt HIAZ 03.06.21Von Julia Haller und Christian Harborth

Generation Corona“, das bezeichnet Kinder und Jugendliche, die ganz besonders unter der Pandemie leiden sollen. Der Blick geht bei solchen Aussagen meist auf die Schulbildung, auf verpasste Unterrichtsinhalte und ausgefallene Abschlussfeiern. Was aber Professor Wolfgang Schröer von Jugendlichen hört, mit denen er im Austausch für Studien ist, ist etwas anderes. „Wir sind nicht nur Abitur“, heißt es da. Wichtig ist laut Schröer, dass auch all die Dinge im Leben Jugendlicher berücksichtigt werden, die diesen in der Krise entgehen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Zitat Rebecca Schmidt, Andreanum

                                                                                                                                                      

Schröer ist Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim und Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums. Er lehnt Begriffe wie „Generation Corona“ ab, ebenso wie die Annahme, Jugendarbeit müsse sich jetzt vor allem um entstandene Defizite kümmern.

„Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ heißt das Aktionsprogramm der Bundesregierung, mit dem Lernrückstände ausgeglichen werden sollen. Nachholen, der Begriff passt Schröer nicht. Natürlich gibt es verpassten Stoff, sagt er. Aber mit dieser Formulierung übersieht man etwas Wesentliches: „Junge Menschen haben auch Sachen gelernt in dieser Zeit.“ Bevor man überhaupt in den intensiven Austausch mit Kindern und Jugendlichen geht, sie nach ihren Erfahrungen fragt, werde schon festgelegt, dass es einen Nachholbedarf gibt. „Das finde ich schwierig.“

Hier zeigt sich ein großes Problem der Pandemie-Bekämpfung: Fehlender Austausch. Während der Befragungen hätten Kinder und Jugendliche immer wieder gesagt, dass sie in Entscheidungsprozessen nicht beteiligt oder gehört wurden. Etwa beim Beispiel Schule: Jeder, so das Gefühl der Befragten, wurde einbezogen. Lehrkräfte, Eltern – und ganz zum Schluss dann Schüler und Schülerinnen selbst. „Diese Reihenfolge hat junge Menschen irritiert“, meint Schröer.

Wenn der Fokus nur auf der Schulbildung von Kindern liegt, fallen die Bedürfnisse anderer junger Menschen aus dem Blickfeld. Jugendlich sein, das passt laut Schröer nicht in die Struktur, die wir seit Beginn der Pandemie haben. Da gibt es etwa junge Erwachsene, die zum Studium in Ein-Zimmer-Wohnungen gezogen sind, und denen dann die sozialen Kontakte fehlten. „Viele junge Menschen haben über psychische Belastungen geredet, über Ängste“, berichtet Schröer. Auch Perspektiven von jungen Menschen mit Behinderungen und Geflüchteten seien zu spät beachtet worden.

Beklagt haben sich die jungen Leute dabei so gut wie nie, meint Schröer. Keine Beschwerden darüber, dass der Fokus und Schutz auf den älteren Generationen liegt. „Junge Menschen haben eine starke Generationensolidarität gezeigt“, sagt der Professor. „Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir spätestens jetzt stärker in den Dialog gehen, Investitionen setzen.“

In den Dialog mit der Jugend treten ist nur eine der Forderungen an die Politik, die das Bundesjugendkuratorium in Form einer Stellungnahme an Sozialministerin Daniela Behrens überreichte. Denn mit niedrigeren Infektionszahlen, Lockerungen und Öffnungen stellt sich auch die Frage, wie es für Kinder und Jugendliche weitergeht. „Es ist keine Rückkehr in den alten Zustand“, meint Schröer – und warnt davor, so zu tun, als wäre alles wieder wie vor der Pandemie. „Wir sollten nicht vom Ende der Pandemie sprechen, sondern uns fragen, wie wir in eine andere Normalität mit Covid-19 kommen. Denn Covid-19 wird uns, Kinder und Jugendliche noch weiter begleiten.“

Kurzfristig brauche es vor allem Transparenz: Kinder und Jugendlichen etwa zeigen, was für Angebote es im Sommer gibt, welche Ferienprogramme trotz Pandemie stattfinden. Längerfristig braucht es „Unterstützungsstrukturen“, wie Schröer es nennt. „Es braucht ein substanzielles Nachdenken über Jugend und Grundsicherung.“ Und eben das Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen. Was haben sie erlebt, was haben sie vermisst – und was brauchen sie, um für die Zukunft gefestigt zu sein.

„Man kann nicht jede ausgefallene Abifeier nachholen“, sagt Schröer. „Das heißt nicht, dass man ewig sagen muss, ,Oh, das ist alles ausgefallen’“. Aber man könne sich eben die Zeit dafür nehmen, zuzuhören, was solche verpassten Erinnerungen für die jungen Leute bedeuten. „Man hat nur eine Jugend“, sagt Schröer. Dann lacht er kurz auf. „Leider.“

 

Rebecca Victoria Schmidt, 12, Andreanum

Rebecca Schmidt HIAZ 03.06.21Ihren zwölften Geburtstag hat sich Rebecca Victoria Schmidt ganz anders gewünscht. So wie im Vorjahr mit vielen Freundinnen und Freunden im tfn vielleicht. Oder eine große Party im Elternhaus in Heinde. Aber im Januar, als sich das elfte Lebensjahr dem Ende neigte, war eigentlich wegen der Corona-Beschränkungen nichts dergleichen mehr erlaubt. Also gab es nur ein kleines Fest im engen Familienkreis. „Das andere wollen wir im Sommer nachholen – wenn es dann wieder erlaubt ist“, sagt die Sechstklässlerin des Gymnasiums Andreanum.

Wenn man nach Schülern sucht, die vielleicht weniger als andere unter der Pandemie gelitten haben – Rebecca könnte eine von ihnen sein. Sie hat es geschafft, sich viel von dem zu bewahren, dem sie auch vor Corona nachging. Treffen mit Freunden (jetzt allerdings fast ausschließlich virtuell), lange Spaziergänge mit den Hunden, Reitunterricht in Wesseln (derzeit nur im Einzelunterricht): „Eigentlich ging es mir die ganze Zeit über sehr gut“, sagt die Schülerin. Klar sei es blöd gewesen, dass persönliche Treffen so gut wie nicht möglich waren. „Aber darunter gelitten habe ich eigentlich nicht besonders.“

Trotzdem hätte sie sich mehr Mitspracherecht gewünscht. Etwa bei der Frage nach Lockerungen. „Wenn nicht so früh gelockert worden wäre, wären wir jetzt bestimmt schon durch mit der Pandemie“, glaubt die Zwölfjährige. Aber nach ihrer Meinung sei sie bei dem Thema eigentlich nie richtig gefragt worden.

Am ehesten noch von ihren Eltern, die ihr überhaupt sehr während der Pandemie halfen. Mit ihrem Vater habe sie auch regelmäßig Badminton gespielt. Und dann sind da natürlich noch die beiden Hunde, die aber nicht zur Familie gehören, sondern die sie leihweise ausführt. Trotzdem: „Sie haben mir während dieser Zeit sehr zur Seite gestanden.“

Am Ende des Gesprächs muss Rebecca zu einem Arzttermin aufbrechen. Ein bisschen Rückenschmerzen. Vielleicht vom Ranzenschleppen, vielleicht auch vom vielen Sitzen während der Pandemie-Monate. Aber dramatisieren will sie das nicht. „Im Grunde geht es mir trotz Corona gut.“

Texte und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 03.06.2021