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Der Schulträger

Fehler im System?

Helene Prinzing 24 06 2017NACHGEFRAGT: Helene Prinzing, 19, ehemalige Andreanerin, studiert Wirtschaftsinformatik in Clausthal-Zellerfeld

Warum haben Sie sich für diesen Studiengang entschieden?

Ich wollte eigentlich schon lange Pharmazie studieren. Dann habe ich nach dem Abi vier Monate auf Island auf einem Hof gearbeitet und bin davon abgekommen. Ich habe geschaut, was man so alles machen kann und verschiedene Tests gemacht. Dann habe ich festgestellt, dass ich technische Sachen cool finde. Bei dem Studiengang jetzt mache ich Marketing, aber auch Ingenieursmathe und Thermodynamik zum Beispiel. In der Schule war ich in der 7. und 8. Klasse in Mathe ziemlich schlecht, in Physik war ich nie richtig drin. Bis auf Biologie waren die Naturwissenschaften in der Schule nie so meins. Erst auf der Uni habe ich dann gemerkt, dass ich, was mathematisches Verständnis angeht, eigentlich ziemlich gut bin.

 

Woran liegt das?

Mathe ist einfach ein sehr schwieriges Fach für die Vermittlung. Außerdem ist unser Unterricht so aufgebaut, dass wenn man in der 7., 8. Klasse, gerade in der Pubertät, Probleme damit hat, später Schwierigkeiten bekommt, hinterherzukommen. Außerdem wird in der Schule viel zu sehr auf den Taschenrechner gesetzt. Es wird einem beige- bracht, wie man ihn für die Funktionen programmiert, aber man versteht gar nicht richtig, was eine Ableitung ist. Man verlernt das schriftliche und das Kopfrechnen. In der Uni dürfen wir bei den Klausuren keinen Taschenrechner benutzen.

Meinen Sie, spezielle Kurse für Mädchen können etwas bringen?

Ich denke schon. Ich habe mich nie getraut, das naturwissenschaftliche Profil zu nehmen, weil ich dann zu schlechte Noten bekommen hätte. Für das Pharmaziestudium braucht man einen sehr guten Schnitt. Als AG hätte ich das aber bestimmt be- legt. Im Matheunterricht ging uns schon auch durch die Reihen, dass Mädchen eh nicht rechnen können und für alles länger brauchen. Ich denke, dass diese alten Rollenbilder nach wie vor unterschwellig in den Schulen vermittelt werden.

Wie könnte man das ändern?

Ich würde mir wünschen, dass öfter gesagt wird: „Nur weil du ein Mädchen bist, heißt das nicht, dass du in Naturwissenschaften schlecht bist.“ Das Rollenbild fördert auch, dass Mädchen es sozusagen als Ausrede benutzen. Nach dem Motto: „Ich bin ein Mädchen, ich muss das nicht können“. Das finde ich schade. Der Unterricht müsste generell mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen zugeschnitten werden. Das gilt auch für Kunst zum Beispiel. Die meisten Jungs haben eben keinen Spaß daran, die ganze Zeit Mandalas auszumalen.

Interview: Celia Borm 

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 24.06.2017