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Der Schulträger

„Es hätte ruhig fanatischer sein können“

Jan Krauter MüntzerSchauspieler Jan Krauter spielt demnächst im ZDF den Martin-Luther-Gefährten Thomas Müntzer. Und er kommt am Donnerstag zur Luther-Woche an seine ehemalige Schule: das Andreanum.

HAZ: Herr Krauter, demnächst kann man Sie als Thomas Müntzer in einer Martin-Luther-Verfilmung des ZDF sehen. Wer war das?
Jan Krauter: Das hätte ich früher auch nicht gewusst. Er war ein Reformator, aber man nimmt ja heute nur Martin Luther als solchen wahr.

War Müntzer gut oder böse?
Er war ein Apokalyptiker, Asket und Revolutionär, dessen Gedanken darum kreisten, dass die Ankunft des Heilands bevorsteht. In späteren Jahren wurde er zunehmend fanatisch. Allerdings findet sich davon nur ein kleiner Teil im Film. Nach meinem Geschmack stellen wir ihn sogar ein bisschen zu gut dar. Er hätte ruhig noch fanatischer sein können. Aber leider kann man in einer 2x90-Minuten-Produktion auch nicht alles erzählen.



Ihr Kollege Maximilian Brückner, der Martin Luther spielt, war mal Tatort-Kommissar. Reichlich Tatort-Erfahrung haben Sie ja ebenfalls ...?
Ja, aber wir kannten uns vorher nicht. Wir haben uns beim Casting für Martin Luther zum ersten Mal gesehen. Und uns unabhängig voneinander über unsere Agenturen gegenseitig für unsere jetzigen Rollen empfohlen.

Sind Sie derzeit vor allem auf Krimis festgelegt?
Es gibt ja in Deutschland kaum etwas anderes, das gut funktioniert. Heute Abend fahre ich noch nach Bremen, wo ich eine Rolle im dortigen Tatort habe.

Sind Sie der Böse?
Das darf ich doch nicht sagen. Aber ich spiele einen jusen Frau im Koma liegt. Eher eine kleine Rolle
.
Oft spielen Sie an der Seite bekannter Schauspielern wie Ulrich Tukur oder Anna Maria Mühe?
Aber ich gehöre immer noch zur Kategorie G-Promis. Oder nee, wohl sogar X-Promis.

Erkennen Menschen Sie auf der Straße und fragen nach Autogrammen?
Eher nicht. Aber natürlich gibt es Autogrammjäger, deren Lebensaufgabe darin besteht, Autogramme zu sammeln. Die finden manchmal ihren Weg zu mir.

Ihre Leidenschaft für Theater und Schauspiel begann am Andreanum in Hildesheim?
Das war eine schöne Zeit. Immer, wenn es geht, komme ich nach Hildesheim zurück. Dann besuche ich die Theater AG und dessen Leiterin Carina Heidkamp. Wir haben über all die Jahre Kontakt gehalten. Die Theater AG war ein Refugium für mich, eine zweite Familie. Wenn ich heute in den Telemannsaal komme und über die Bühne schreite, habe ich sofort wieder den Theatergeruch von damals in der Nase.

Sind Sie eher Theater- oder Film- Schauspieler?
Im Augenblick wohl eher Filmschauspieler. Theater spiele ich derzeit nurin Bochum. Dabei würde ich gern mehr auf der Bühne stehen. Ich mag den Kontakt zum Publikum und am Ende einer Vorstellung in den Knochen zu spüren, was man getan hat.

Und beim Film?
Man gibt etwas ab, und jemand anders bastelt anschließend ein Produkt draus.

Würden Sie lieber einen Film mit Maren Ade, der Regisseurin von Toni Erdmann, drehen oder einen Hollywoodstreifen an der Seite von Brad Pitt und Mark Wahlberg?
Wenn sie ein gutes Drehbuch hätte, würde ich lieber mit Maren Ade arbeiten. Mein Lieblingsfilm von ihr ist „Der Wald vor lauter Bäumen“.

Aber was ist mit Ruhm und Reichtum?
Ich versuche ja vor allem, den Menschen etwas zu geben. Ein Türchen zu öffnen, durch das die Zuschauer schlüpfen, um sich dort in eine Figur zu versetzen.

Warum? Um die Welt besser zu machen?
Um die Menschen zum Nachdenken zu bringen.

Interview: Christian Harborth


© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 06.09.2017