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Der Schulträger

Andreaner zieht es ins Filmstudio

Andreaner Filmstudio HAZGymnasiasten vom Hagentorwall wollen den Wettbewerb „Ganz schön ungerecht“ gewinnen

Von Christian Harborth

Hildesheim. Die Szene ist nicht ganz geglückt. Anna, Leonie und Eva müssen noch einmal zum Nachdrehen vor die Tür. Carina Kühne hilft bei der Kameraführung. Die 32-Jährige ist vom Fach. Meistens steht sie als Schauspielerin vor der Kamera. Im Andreanum tat sie dies gestern meistens auch. Doch gleichzeitig hilft sie den Neuntklässlern der Inklusionsklasse auch an vielen anderen Stellen.

Die Schüler haben sich zusammen mit ihren Klassenlehrerinnen Karin Frank-Gerstung, Koordinatorin für Inklusion am Andreanum, und Kirsten Stock beim Kurzfilmwettbewerb „Ganz schön ungerecht“ beworben. Es geht darum, einen kurzen Film zu drehen. Aber vor allem darum, dass behinderte und nichtbehinderte Schüler als Team arbeiten. Wobei der Begriff „behindert“ bei Inklusionsfachleuten nicht gern gehört wird. Sie sprechen lieber von Menschen mit Beeinträchtigungen.

119 Schulklassen wollten landesweit mitmachen. 43 wurden ausgewählt, an den Projekten teilzunehmen. Am Ende sollen die Arbeiten von zehn Klassen im Astor-Kino in Hannover vorgeführt werden. Wer den ersten Platz gewinnt, darf zudem zu einem Film- studio-Besuch nach Berlin aufbrechen.

Das wollen auch die Schüler des Gymnasiums am Hagentorwall gern. Also legen sie sich mächtig ins Zeug. Anna Jäschke muss zum wiederholten Mal ihre Jacke an einen Haken hängen und anschließend den Gang entlang schlendern. Ihre Klassenkameraden halten dies mit der Kamera fest. Die Szene wirkt unspektakulär. Doch am Ende soll sie Teil eines kurzen Films werden. Niemand weiß das besser als Klassenlehrerin Frank-Gerstung. Sie war gemeinsam mit ihrer Kollegin Stock zu einer separaten Schulung gefahren. „Wir haben Stunden gebraucht, ehe wir 30 Sekunden Filmmaterial zusammenhatten“, berichtet sie.

Zwei professionelle Filmemacher aus Hannover geben den Schülern Aufgaben. Die Mädchen und Jungen sollen Tricks und Kniffe erlernen, die für die Arbeit erforderlich sind. Am Ende sollen sie ihre eigenen Drehbücher in Angriff nehmen und anschließend umsetzen. Mit den Ergebnissen bewerben sie sich am Ende um den Filmstudio-Besuch.

Die Voraussetzungen sind für alle Teilnehmer gleich. „Die Beiträge dürfen nicht länger als fünf Minuten sein“, sagt Projektleiter Markus Götte aus Hannover. Zudem müssen die Teilnehmer aus den Klassenstufen acht bis zehn kommen.

Meret, Valentin und Alexander sind schon einen Schritt weiter als ihre drei Klassenkameradinnen vor der Tür. Die drei sind mit Projektmitarbeiterin Britta Kanabaja vom Verein Blickwechsel dabei, die vorab gedrehten Szenen zu schneiden. Es geht um eine junge Frau, die zur Toilette muss, aber vor lauter verschlossenen Türen steht. Und am Ende klemmt auch noch der blöde Hosenknopf.

Es ist eine stumme Szene – die Schüler haben keine Wortbeiträge. Die 14-jährige Meret versucht, die richtige Hintergrundmusik für die Sequenzen zu finden. „Ich würde gar keine Musik nehmen“, sagt der 14-jährige Alexander. Doch Meret widerspricht. „Dann ist es aber dramatischer.“

 

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 10.11.2017