Andreaskreuz 170

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Der Schulträger

"Können wir lieben wie die Römer?"

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Diese und weitere Fragen beantwortete Professor Dr. Niklas Holzberg, der bis zu seinem Ruhestand an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrte, in seinem Vortrag an einem kalten Mittwochvormittag Ende Februar.

 

Ungefähr 200 Freunde der lateinischen Sprache diverser Hildesheimer Gymnasien versammelten sich hierzu im sonnendurchfluteten Telemannsaal des Gymnasium Andreanum. Manche begleitete die Sorge, die nächste Stunde könne langweilig werden.

Nach einer kurzen, aber sehr umfassenden sowie äußerst informativen Einführung durch Frau Dr. Heine begann Holzberg mit seinen Ausführungen zu dem Thema „ROMA - rückwärts gelesen. Ovids Amores im augusteischen Staat“ ...

Buchtitel OvidDer in Jeans recht leger gekleidete Professor, was teils mit einem Schmunzeln wahrgenommen wird, bedient trotzdem die klischeehaften Vorstellungen durch Brille und weiße Haarpracht. Er vergleicht in einer Sammlung ausgewählter Textpassagen die Liebeselegie Ovids unter anderem mit dem Beginn des römischen Nationalepos Äneis von Vergil. Nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit Witz weiß der durch den Raum flanierende Referent zu überzeugen.

Er schlägt einen Bogen von der Antike in die Moderne und zeigt dabei auf, dass auch die Beatles Jahrhunderte später mit ihrem Hit „All you need is love“ Liebe ebenso definieren, wie Ovid es einst tat. Jener vermochte es laut Holzberg, durch Zweideutigkeit die augusteischen Sittengesetze zu umgehen, obwohl eben diese vermutlich zu seiner Verbannung an das Schwarze Meer beigetragen habe. Ovid sei also durchaus provokativ aufgetreten. Dabei habe der antike Autor die römische Kampfeslust auf die Welt der Liebe übertragen. Außerdem sei sich selbst der verstorbene Caesar Ovids Häme sicher gewesen („veni, vidi, vici“), beteuert der Referent schmunzelnd.

Gegen Ende seines abwechslungsreichen Vortrags bekräftigt er erneut die These, dass nicht nur Ovids Werk Amores der Grund seiner Entsendung ins Exil gewesen sein könne. Zwinkernd weist Holzberg in diesem Zusammenhang auf Iulia hin, wobei er sowohl Tochter als auch Enkeltochter des Augustus erwähnt, die beide, wohl durch Ovids literarisches Werk bestärkt, regelmäßig Ehe- und Rechtsbruch begangen hätten - eine Sünde im augusteischen Rom.

Abschließend fragt der Vortragende in die Runde: „Na, hab ich’s geschafft?“ Und ja, es ist ihm wahrlich gelungen: Während sich begeisterte Lehrerinnen über das Wortspiel „amans - amens“ amüsieren und sich in die vom schmachtenden Liebhaber verehrte Corinna versetzen, spenden die anwesenden Schüler dem Gast Applaus. Sie entlassen ihn in die eisige Kälte, die während seiner Rückreise wohl durch Sonnenstrahlen durchbrochen wird. Ein dionysischer Tropfen, verpackt in Hildesheimer Rosen, begleitet Prof. Holzberg gen‘ Süden. Hoffentlich findet der Referent in Zukunft erneut den Weg nach Hildesheim zu künftigen Lateinschülern!

 

Charlotte Heine/ Konstantin Burg/ Fotorechte bei Prof. Holzberg (1) und C.H.Beck-Verlag (2).