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Der Schulträger

In zwei Jahren ins Nationalteam

Felix Eilers Rugby 02

 

Der ehemalige Eintracht-Handballer Felix Eilers steckt sich in England mit dem Virus Rugby an und legt in Döhren eine rasante sportliche Entwicklung hin – am Anfang verstand er nichts

Von Andreas Kreth

Hildesheim. „Stimmt“, sagt Felix Eilers und kommt kurz ins Grübeln, „Alles ging überraschend schnell.“ Der 17-jährige Rugbyspieler aus Ochtersum gehört seit März dem erweiterten Kader der U 18-Nationalmannschaft an und war bei einem Trainingscamp im südafrikanischen Namibia dabei – dabei hat er erst vor zwei Jahren beim VfR Döhren mit dieser Sportart begonnen.

„Mein Ballgefühl vom Handball hat mir viel geholfen“, erzählt der Elftklässler vom Gymnasium Andreanum. Mit fünf Jahren hatte er bei den Eintracht-Minis angefangen. Vermutlich wäre er noch heute Linksaußen in einer Nachwuchsmannschaft, hätte es nicht eine Serie von Zufällen gegeben.

Mit 15 kam Felix Eilers über einen englischen Austauschschüler erstmals mit dem Rugby in Berührung. Als er sich 2016 auf ein Auslandshalbjahr ebenfalls in England vorbereitete, stellte er fest: „Dort wird kaum Handball gespielt, aber eben viel Rugby. In Hildesheim muss man erklären, was das ist. Aber Hannover ist eine Hochburg.“

Im April 2016 meldete er sich zum Probetraining in Döhren an. Warum dort? „Das ist ganz in der Nähe, von Hildesheim mit der S-Bahn-Linie 4 prima zu erreichen.“ Die Trainer erkannten sein Talent sofort und setzen ihn auf dem Flügel ein. Seine Position heißt englisch Wing und deutsch Ecke oder Außen.

„Ich konnte sofort mitspielen – die haben nicht so viele Leute. Beim Rugby konnte ich meine Fähigkeiten besser einbringen als beim Handball.“ Mit dem U16-Team gewann der Ochtersumer die Niedersachsenmeisterschaft und wurde nach seinem England-Aufenthalt in die niedersächsische Rugby-Jugend aufgenommen, das ist quasi die Landesauswahl.

Warum aber ausgerechnet diese harte Sportart, aus der sich später der Football entwickelt hat? „Mich hat sofort der Teamgeist begeistert. Ich wurde von allen mit offenen Armen empfangen. Und das Spiel ist eigentlich sehr fair, alles bleibt im Rahmen der Regeln. Es darf ja auch nur der Kapitän höflich mit dem Schiedsrichter reden – beim Fußball meckern doch alle mit dem Schiri rum.“

Auf dem Platz brauche er auch nur einen Mundschutz, mehr nicht. „Für Außenstehende sieht das vielleicht anders aus, aber bei uns gibt es nicht mehr Verletzte als etwa beim Fußball,“, sagt Felix Eilers. Die Verletzungen seien aber andere, weniger an den Beinen, dafür eher am Oberkörper. Er selber sei weitgehend verschont geblieben: „An der Hand hatte ich mal was, einen Kapselriss, sonst nur Schrammen und blaue Flecke.“

Schon in England hatte ihn der besondere Sportsgeist beim Rugby fasziniert. Auch die Fans seien friedlich, Ausschreitungen gebe es praktisch nicht. „Nach dem Spiel gibt man sich die Hand und versteht sich, isst oft mit der gegnerischen Mannschaft zusammen. Die Aggressionen bleiben auf dem Spielfeld.“ Auf dem Platz sucht der muskulöse 1,83-Meter-Mann mit einem Kampfgewicht von 83 Kilogramm eher spielerische Lösungen: „Es ist sinnvoller für die Mannschaft, wenn ich versuche, einen Gegner ins Aus zu tackeln als ihn einfach umzusensen.“

Felix Eilers Rugby 01

Viermal die Woche fährt Felix Eilers zum Training nach Hannover, auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Max ist inzwischen vom Rugby- Virus angesteckt und ebenfalls in Döhren. Die Eltern Jan (52) und Ulrike (48) Eilers betätigen sich oft als Taxifahrer. Ihr 17-jähriger Filius kann es gar nicht abwarten, dass er am 11. Oktober 18 wird: Dann darf er in Döhrens I. Herrenteam aufrücken, das in der 1. Liga spielt. „Ich würde mich riesig freuen, wenn ich einen Platz bekomme.“ Derzeit macht er den Führerschein und nächstes Jahr in der 12. Klasse das Abitur.

Für den achttägigen Trip nach Namibia brauchte er eine Schulbefreiung – kein Problem bei einem Notenschnitt von 2,4. Bei dem Vorbereitungsturnier auf die EM im Siebener- Rugby traf Deutschland unter anderem auf Südafrika: „Die spielen in einer ganz anderen Klasse, sehr beeindruckend.“ Auch die „Weite der wunderschönen Landschaft“ hinterließ bei ihm tiefe Eindrücke. „Ich bin glücklich, dass ich durch den Sport diese Möglichkeiten hatte.“

Die Sache mit der Nationalmannschaft will der Ochtersumer nicht zu hoch hängen. Schon im Herbst 2017 sei er zu einem Lehrgang nach Heidelberg eingeladen gewesen. „Da habe ich gemerkt, dass ich wenig Erfahrung habe.“ Auch für die U 18- EM im 15er-Rugby während der Osterferien sei er nicht nominert gewesen. „Also, mal abwarten.“

Sport und Englisch sind seine Lieblingsfächer – welche Überraschung. Überhaupt ist der Sport seine Leidenschaft, auch beruflich soll es was in der Richtung werden. Felix Eilers schaut sich auch gern Fußball, Volleyball oder Football an. „Rugby hat schon viel Ähnlichkeit mit Football, ist aber ein laufendes Spiel und stoppt nicht so oft.“ Bei den Heimspielen der Eintracht-Handballer jobbt er hinter dem Tresen.

„Am Anfang habe ich beim Rugby selber nicht verstanden, was da gerade abgeht – heute bin ich infiziert“, sagt er. Dabei strahlen seine blauen Augen noch heller. Der 17- Jährige freut sich schon auf das erste Training nächste Woche am Montagabend: „Wenn ich über eine längere Zeit keinen Sport machen würde, dann würde mir was fehlen.“

 

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 14.04.2018