Andreaskreuz 170

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Der Schulträger

Ein Jahr nach dem Abitur:

Vivien in AfricaVon Christian Harborth Ulrike Kohrs und Sara Reinke

Vor einem Jahr berichtete die HAZ schon einmal über die drei Absolventen Emilie, Lukas und Vivien. Nun wollten wir wissen, wie ihre Geschichten weitergingen:

Vivien: Nach Reggae-Rhythmen spielt jetzt das Studium die erste Geige

 

Erster Eindruck: Sie sieht ganz anders aus. Dreadlocks, Piercings, Holzperlen – dass die ehemalige Andreanerin Vivien Möck drei Monate in Ghana verbracht hat, hat Spuren hinterlassen. Nicht nur äußerlich: „Das war eine wahnsinnig intensive Zeit. Anders, als ich gedacht habe, aber unheimlich toll.“

Die 19-Jährige strahlt eine irre Energie aus. Sie redet schnell, viel und voller Begeisterung, es macht Spaß, ihr zuzuhören. Davon, dass sie die Hälfte der Zeit ohne fließendes Wasser auskommen musste und dadurch plötzlich die einfachen Dinge ganz anders zu schätzen gelernt hat. Davon, dass sie, für die klassische Musik eine so große Rolle spielt, zum ersten Mal mit einer Kultur in Berührung kam, in der Bach und Beethoven nicht mal zum passiven musikalischen Kenntnisschatz gehören. In der aber schon Grundschüler Trommelrhythmen improvisieren, dass einem die europäisch geschulten Ohren schlackern.

Vivien Möck hat in der turbulenten Hauptstadt Accra im Auftrag der Organisation „Musiker ohne Grenzen“ Kindern zwischen fünf und 15 Jahren das Notenlesen beigebracht, mit ihnen getrommelt und musiziert – und die Selbstverständlichkeit genossen, mit der das Rhythmusgefühl in dem afrikanischen Land scheinbar jedem in die Wiege gelegt ist. „Kein Wunder: An jeder Straßenecke ist Musik zu hören, das ganze Leben spielt sich draußen ab, das ist schon was Besonderes.“ 

Kaum wieder zurück, musste sie schnell wieder von Reggaeklängen auf Klassik umswitchen – im Frühsommer standen wie geplant die Aufnahmeprüfungen für die Uni an. In den Fächern Musiktheorie, Klavier, Gesang und Geige, ihrem Hauptinstrument, bewarb sich Vivien Möck um einen Studienplatz für Musik auf Lehramt – und wurde gleich an mehreren Hochschulen angenommen. „Mein Favorit war von Anfang an Leipzig, jetzt muss ich da nur noch eine Wohnung finden.“ Bevor es dann im Oktober losgeht mit dem Studium, zieht es die reiselustige junge Frau aber noch- mal in die Ferne: Zusammen mit ihrem Bruder will sie Bali erkunden. Um dafür und für das Studium ein bisschen Geld anzusparen, macht sie bis dahin etwas ganz Profanes: Sie jobbt bei einer Fastfood-Kette. 

 
 © Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 28.06.2018